Dieses Videostatement dokumentiert eine künstlerisch-politische Intervention aus den Jahren 2014/2015 und ordnet sie aus heutiger Perspektive ein. Ausgangspunkt ist eine bewusst fragmentierte Wortfolge – „Bundes. Wehr. Bung.“ bzw. „Wir. Dienen. Deutschland.“ – die formal keinen Satz bildet und dennoch regelmäßig automatisch zu einer Sinnbehauptung ergänzt wird. Genau dieser Automatismus bildet den Kern der Analyse.
Das Video rekonstruiert eine konkrete Situation im öffentlichen Raum: einen Rekrutierungsstand der Bundeswehr bei einer Sportveranstaltung in Halle. Durch das unauffällige, aber inhaltlich irritierende Auftreten einer einzelnen Person entstand eine kommunikative Grauzone. Nach außen war nicht mehr klar erkennbar, was offizielle Aussage, was individuelle Äußerung und was ironische Brechung war. Die Reaktionen der Passanten, der Soldaten und schließlich der Polizei zeigen, wie stark institutionelle Autorität und Erwartungshaltungen die Wahrnehmung von Sprache prägen.
Im Zentrum steht dabei nicht Provokation um ihrer selbst willen, sondern die Frage, wie politische Sprache funktioniert. Das Video legt dar, dass Parolen und Slogans nicht nur informieren, sondern Denkbewegungen vorstrukturieren. Wer aus einzelnen Begriffen automatisch einen sinnhaften Imperativ formt, übernimmt unbewusst bereits eine Deutung, die nicht explizit ausgesprochen wurde. Sprache wird so zum Prüfstein für Zustimmung, Loyalität und Bereitschaft zur Einordnung.
Aus heutiger Perspektive wird diese frühe Intervention neu bewertet. Positionen, die damals als überspitzte Kritik oder Kunstaktion galten, sind inzwischen Teil offizieller politischer Argumentationen geworden – etwa wenn militärische Aufrüstung primär mit wirtschaftlichen Effekten, Arbeitsplätzen oder Standortvorteilen legitimiert wird. Das Video ordnet diese Entwicklung sachlich ein und zeigt, wie sich der Rahmen des Sagbaren verschoben hat.
Das Videostatement versteht sich damit als zeitgeschichtliches Dokument. Es verbindet eine konkrete Begebenheit mit einer strukturellen Analyse von Sprache, Staat und individueller Verantwortung. Ziel ist keine Mobilisierung, sondern Nachvollziehbarkeit: Wie entstehen politische Selbstverständlichkeiten, und ab welchem Punkt werden sie nicht mehr hinterfragt?
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→ Zum ausführlichen Textbeitrag „Bundes.Wehr.Bung. – Three words, not a sentence“
