Es gibt Vorgänge, die für sich genommen erklärbar erscheinen.
Und es gibt Vorgänge, die erst im Zusammenhang zeigen, wie ein System funktioniert.
Der Wechsel des ehemaligen Bundesjustizministers Marco Buschmann zur internationalen Großkanzlei White & Case gehört eindeutig zur zweiten Kategorie. Denn dieser Schritt ist kein isolierter Karriereschritt, sondern Teil eines Geflechts aus politischer Verantwortung, wirtschaftlichen Interessen und juristischer Absicherung – mit direktem Bezug zur Corona-Politik und ihren milliardenschweren Folgen.
A ergänzendes Videostatement zu den personellen und juristischen Verflechtungen rund um die Pandemiepolitik wurde gesondert veröffentlicht.
Die Rückkehr an einen alten Arbeitsplatz
Seit Anfang 2026 arbeitet Marco Buschmann wieder im Berliner Büro von White & Case. Offiziell als „Counsel“, eine Position, die in internationalen Kanzleien häufig als Zwischenstufe zur Partnerschaft gilt. Es ist nicht das erste Mal: Bereits vor seinem Einzug in den Bundestag war Buschmann dort tätig.
Formell wurde alles korrekt abgewickelt. Die Bundesregierung verhängte eine zwölfmonatige Karenzzeit, die nun abgelaufen ist. Politisch jedoch beginnt genau hier die eigentliche Frage: Was bedeutet ein solcher Wechsel inhaltlich – und für wen ist er nützlich?
White & Case gehört mit einem Jahresumsatz von rund drei Milliarden US-Dollar zu den einflussreichsten Wirtschaftskanzleien der Welt. Und sie ist seit mehr als zwei Jahrzehnten eng mit der Pharmabranche verbunden.
Kanzleien als Schutzschild der Pandemiepolitik
White & Case berät seit vielen Jahren den US-Pharmakonzern Pfizer in Wettbewerbs- und Regulierungsfragen. Während der Corona-Pandemie übernahm die Kanzlei zusätzlich die Verteidigung von BioNTech gegen Klagen mutmaßlich Impfgeschädigter.
Diese Prozesse sind juristisch besonders brisant, weil sie durch spezielle Haftungsfreistellungen abgesichert sind. Die Impfstoff-Kaufverträge sehen vor, dass nicht die Hersteller selbst für Schäden haften, sondern der Staat – also der Steuerzahler. Das umfasst nicht nur mögliche Entschädigungszahlungen, sondern auch die Kosten der anwaltlichen Verteidigung.
Mit anderen Worten: Der Staat finanziert die juristische Abwehr gegen seine eigenen Bürger.
Umso bemerkenswerter wirkt der zeitliche Zusammenhang, wenn ein ehemaliger Justizminister, der während der Pandemie politische Verantwortung trug, genau bei jener Kanzlei unterkommt, die diese Abwehr organisiert hat.
„Helden der Pandemie“ – politische Rhetorik mit Folgen
2021 bezeichnete Marco Buschmann BioNTech öffentlich als die „großen Helden dieser Pandemie“. Diese Aussage war politisch anschlussfähig, emotional wirksam – und sie prägte das Narrativ einer alternativlosen Impfstrategie.
Heute, Jahre später, stehen Menschen vor Gericht, die gesundheitliche Schäden geltend machen. Und genau diese Verfahren wurden lange Zeit von derselben Kanzlei betreut, bei der Buschmann nun wieder tätig ist.
Dass White & Case das Mandat für BioNTechs Impfschadensprozesse im November 2025 niederlegte, ändert an der grundsätzlichen Struktur nichts. Ein Großteil des Teams wechselte schlicht zur Kanzlei Clifford Chance – der nächsten Großkanzlei mit enger politischer Vergangenheit.
Die zweite Kanzlei, die zweite Ministerin
Clifford Chance gilt seit Jahren als eine der führenden Pharmarechtskanzleien in Deutschland. Sie war nicht nur an der juristischen Begleitung der Pandemiepolitik beteiligt, sondern auch an zentralen Vertragswerken zwischen Staat und Pharmaindustrie.
Besonders pikant: Die ehemalige Bundesinnenministerin Nancy Faeser arbeitete früher selbst für Clifford Chance. Während der Corona-Krise beriet die Kanzlei unter anderem Bundesministerien bei der Vertragsgestaltung zur Corona-Warn-App, beim digitalen Impfzertifikat und bei weiteren pandemiebezogenen Projekten.
Bereits 2020 war Clifford Chance an der Kooperation zwischen Pfizer und BioNTech beteiligt. Später unterstützte sie die „Taskforce Impfstoffproduktion“ des Wirtschaftsministeriums bei sogenannten Pandemiebereitschaftsverträgen.
Milliardenverträge auf Vorrat
Diese Verträge gehen weit über die akute Corona-Zeit hinaus. Sie sichern dem Staat langfristig Produktionskapazitäten und Lieferoptionen für Impfstoffe – auch für künftige Pandemien. Der Bund zahlt dafür ein jährliches Bereitschaftsentgelt, insgesamt in einer Größenordnung von rund drei Milliarden Euro bis 2029.
Verwaltet werden diese Verträge durch das beim Paul-Ehrlich-Institut angesiedelte Zentrum für Pandemie-Impfstoffe und Therapeutika (ZEPAI).
Juristisch innovativ, politisch weitgehend unbeachtet – und finanziell enorm.
Staat als Kunde, Partner und Haftungsträger
Hinzu kommt ein weiterer Aspekt: Die Bundesregierung ist inzwischen selbst Miteigentümerin von BioNTech. Durch die Übernahme von CureVac durch BioNTech hält der Bund rund 0,6 Prozent der Anteile – ein Paket im Wert von über 130 Millionen Euro.
Damit verschwimmen die Rollen endgültig:
Der Staat ist Regulierer.
Der Staat ist Vertragspartner.
Der Staat ist Anteilseigner.
Und der Staat trägt die Haftung.
In einem solchen System ist es kaum überraschend, dass juristische, politische und wirtschaftliche Karrieren nahtlos ineinander übergehen.
Die Drehtür ist kein Zufall
Wenn Kanzleichefs offen erklären, ein ehemaliger Minister sei wegen seines „Verständnisses für politische Zusammenhänge“ eine Bereicherung, dann ist das mehr als ein Kompliment. Es ist ein Hinweis darauf, welche Ressource hier tatsächlich gefragt ist: politisches Insiderwissen, Netzwerke, Entscheidungslogiken.
Das ist kein Rechtsbruch.
Aber es ist ein strukturelles Problem.
Denn demokratische Kontrolle setzt Distanz voraus. Und diese Distanz geht verloren, wenn politische Entscheidungen von heute die Karrieren von morgen vorbereiten – und umgekehrt.
Conclusion
Der Wechsel von Marco Buschmann zu White & Case ist kein Einzelfall und kein Ausrutscher. Er ist ein Symptom.
Ein Symptom für ein System, in dem politische Verantwortung, wirtschaftliche Interessen und juristische Absicherung so eng miteinander verwoben sind, dass echte Aufarbeitung kaum noch möglich erscheint.
Nicht, weil etwas „illegal“ wäre.
Sondern weil alles perfekt legal organisiert ist.
Und genau das macht es so gefährlich.
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