Empörung als Geschäftsmodell: Was bei Connewitz wirklich passiert ist

Stellt euch bitte mal kurz vor:

Du bist Streamer.
Nicht klein. Nicht mittel.
Sondern richtig groß.

Eine Viertelmillion Follower.

Und wenn du so groß bist, dann ist Aufmerksamkeit nicht einfach nur Aufmerksamkeit.
Dann ist Aufmerksamkeit ein Geschäftsmodell.

Reichweite ist Geld.
Geld ist Wachstum.
Und Wachstum ist Macht.

Und genau deshalb muss man bei der Geschichte von gestern einmal kurz sein Gehirn anschalten – bevor man sich emotional einklinkt und blind in eine Empörungswelle reinzieht.

Denn manchmal ist ein Skandal nicht einfach nur „passiert“.
Manchmal ist er der Rohstoff für das, was im Internet am besten läuft:

Drama. Empörung. Viralität. Geld.


Connewitz ist keine normale Kulisse

Gestern war in Leipzig-Connewitz eine Lage, die jeder kennt, der sich auch nur ein bisschen mit diesem Thema beschäftigt:

Demo-Umfeld.
Polizei.
Mood.
Spannung.

Das ist nicht der Ort, an dem man „einfach mal entspannt“ irgendwas macht.
Und erst recht nicht der Ort, an dem man als bekannter Streamer so handelt, als wäre man Tourist auf Wochenendtrip.

Und mitten in dieser Lage passiert Folgendes:

Ein bekannter Streamer berichtet, dass sein Auto beschädigt wurde.
Vier Reifen platt.
Scheiben kaputt.

Ja, das ist scheiße. Keine Frage.

Aber bevor ihr euch jetzt in Mitleid und Empörung einklinkt, stellt euch eine simple Frage:

Wie kommt es überhaupt dazu?


„Ich hab da geparkt, wo es mir gesagt wurde“

Nach seiner eigenen Darstellung hat er sein Auto dort geparkt, wo man es ihm wohl geraten hätte.

Kann sein.

Aber ganz ehrlich:

Seit wann vertraut diese Szene plötzlich blind der Polizei?

Ihr erinnert euch doch an die Corona-Jahre:
Da waren Polizei und Staat bei vielen plötzlich der Feind.

Und jetzt heißt es auf einmal:
„Ja ich hab da geparkt, wo es mir gesagt wurde.“

Das wirkt mindestens bequem.

Nicht unmöglich – aber bequem.

Und genau an diesem Punkt wird es interessant:
Denn das Problem ist nicht nur das Parken.

Das Problem ist, was danach passiert.


Standort + Kennzeichen = Einladung

Es gibt noch eine zweite Streamerin, ebenfalls bekannt, ebenfalls lange im Geschäft.

Und sie filmt – so wie es berichtet wird – mitten in Connewitz das Auto so, dass man erkennen kann:

Standort.
Kennzeichen.
„Das ist sein Auto.“

Und Leute, da muss ich euch was sagen:

Wenn du seit Jahren streamst, dann weißt du genau, was du da tust.

Du zeigst nicht einfach „ein Auto“.

Du gibst in einer aufgeheizten Lage eine Information raus, die praktisch eine Einladung ist:

Hier steht es. Das gehört ihm.

Und genau deshalb ist es für mich völlig legitim, die nächste Frage zu stellen:

War das wirklich nur Dummheit?


Zwei Regeln, die jeder Profi kennt

Wer jahrelang in diesem Business ist, der kennt zwei einfache Regeln:

1. Du parkst in so einer Lage nicht wie ein Anfänger.
2. Du verrätst nicht der ganzen Welt, wo dein Auto steht – schon gar nicht mit Kennzeichen.

Und deshalb gibt es hier nur drei Möglichkeiten:

  • unfassbare Dummheit
  • komplette Gedankenlosigkeit
  • bewusst in Kauf genommen

Und ich sag’s euch ehrlich:

Je erfahrener jemand ist, desto unwahrscheinlicher ist „Dummheit“.


Normal wäre: Polizei, Versicherung, Werkstatt – Ende

Was passiert nach so einem Schaden normalerweise?

Polizei.
Versicherung.
Werkstatt.
Fertig.

Nicht schön, aber geregelt.

Doch hier passiert etwas anderes:

Es wird Content.

Der Vorfall wird rumgereicht.
Andere Kanäle springen drauf.
Reactions entstehen.
„Unfassbar!“
„So schlimm ist es geworden!“
„Schaut euch das an!“
„Folgt mir für Updates!“

Und so entsteht wieder das, was wir 2026 jeden Tag sehen:

Empörungswellen.


Empörungswellen sind Reichweite – und Reichweite ist Geld

Viele glauben bei solchen Fällen:
„Oh, der Arme, hoffentlich bekommt er Hilfe.“

Ja, Mitgefühl ist menschlich.

Aber Empörungswellen sind nicht nur Emotion.

Empörungswellen sind Reichweite.
Und Reichweite ist Geld.

Und jetzt kommt ein Punkt, der von vielen unterschätzt wird:

Viele denken bei Streamern sofort an Superchats.

Ja – Superchats laufen oft immer nebenher.

Aber der schnellste und effektivste Weg in so einer Situation ist häufig viel simpler:

PayPal.

Ein Link.
Eine Adresse.
Ein Spendenpool.

PayPal hat den riesigen Vorteil:

Das geht sofort.
Ohne Umweg.
Ohne Erklärung.
Ohne Plattform-Regeln.

Da reicht ein Satz:

„Wenn ihr helfen wollt…“


Die Rechnung ist simpel: Masse macht jeden Schaden profitabel

Ich brauche keine sechs Rechnungen.

Es reicht eine Wahrheit:

Wenn ein großer Streamer nur einen kleinen Teil seiner Follower aktiviert –
und jeder davon nur einen kleinen Betrag gibt –
dann kommen Summen zusammen, die so einen Schaden nicht nur abdecken,

sondern locker übersteigen.

Dann ist es nicht mehr „Hilfe für neue Reifen“.

Dann ist es ein Mechanismus, der sich lohnt.


Ich sage nicht: „gestellt“ – ich sage: kalkuliert

Ich behaupte nicht, dass das gestellt ist.

Ich sage nur:

Wenn du in so einer Lage parkst,
wenn du dein Auto identifizierbar machst,
wenn Standort und Kennzeichen öffentlich werden,
und wenn danach sofort Skandal-Content läuft…

Dann darf man eine Frage stellen:

Ist das wirklich nur Pech?

Oder ist es mindestens ein kalkuliertes Risiko – weil man weiß, dass es Reichweite bringt?


So funktioniert das Geschäftsmodell Empörung

In dieser Welt läuft es oft gleich ab:

Erst die Provokation.
Dann der Schaden.
Dann die Story.
Dann die Viralität.
Dann der Spendenimpuls.

Und die Täter – diese linken Chaoten, die Autos zerstören – sind am Ende nicht nur Gegner.

Sie sind die unfreiwillige Marketingabteilung.

Sie liefern den Aufhänger.
Sie liefern die Empörung.
Sie liefern das Drama.

Und Drama aktiviert die Community.


Fazit: Benutzt euren Verstand

Ihr müsst nicht jeden Skandal glauben, nur weil er laut ist.
Ihr müsst nicht jeden Mitleidsmoment mitfinanzieren, nur weil er emotional ist.

Benutzt euren Verstand.

Denn manchmal ist das nicht „Zufall“.

Manchmal ist es einfach das Geschäftsmodell von Empörung.


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Marla Svenja Liebich is the author and publisher of Marlas Army.
On Marla’s Army, she publishes analyses, commentary, and personal accounts on social and political developments in Germany.
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