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Wie „Unsere Demokratie“ zur modernen Kontrollarchitektur wird

Die Mauer ist gefallen.
Aber der Geist, der sie möglich gemacht hat, lebt wieder.

Nicht als Beton.
Nicht mit Schießbefehl.
Sondern als System aus Moral, Verwaltung und Angst.

Was heute unter dem wohlklingenden Begriff „Unsere Demokratie“ firmiert, ist für viele längst kein Freiheitsversprechen mehr, sondern ein politisches Disziplinierungsprojekt. Leise, juristisch sauber verpackt, gesellschaftlich abgesichert. Genau das macht es so gefährlich.


Die große Verdrängung nach 1989

Nach dem Ende der DDR wurde viel erinnert, aber zu wenig verstanden.
Das Unrechtssystem wurde archiviert, nicht wirklich analysiert.

Die zentrale Lehre – dass Macht, Ideologie und moralische Überhöhung zwangsläufig zur Unterdrückung führen – wurde nicht verinnerlicht. Stattdessen setzte früh eine merkwürdige Relativierung ein. Nicht wenige westdeutsche Eliten wollten keine klare Siegergeschichte erzählen. Freiheit sollte bitte nicht zu selbstbewusst auftreten.

Die Folge:
Man distanzierte sich vom System, aber nicht von seinem Denken.

So konnte autoritäres Denken überleben – nur unter anderen Vorzeichen.


Kontrolle ohne Stasi: Das neue Modell

Der heutige Staat braucht keine Geheimpolizei mehr.
Er braucht Netzwerke.

Staatlich finanzierte NGOs, Meldestellen, Förderprogramme und „zivilgesellschaftliche Akteure“ übernehmen Aufgaben, die früher offen repressiv waren. Der Unterschied: Heute geschieht es mit Anträgen, Gütesiegeln und moralischer Legitimation.

Nicht mehr der Bürger steht unter Generalverdacht,
sondern die Meinung.

Abweichung wird nicht mehr widerlegt.
Sie wird delegitimiert.

Wer aus dem vorgegebenen Meinungskorridor fällt, gilt nicht als Diskussionspartner, sondern als Risiko. Als etwas, das beobachtet, markiert, eingehegt werden muss.

Das ist keine Zensur im klassischen Sinn.
Es ist effektiver.


Wenn Satire plötzlich gefährlich wird

Besonders deutlich wird der Wandel im Umgang mit Spott und Satire.
Was früher als Ventil einer offenen Gesellschaft galt, wird heute juristisch verfolgt.

Memes führen zu Hausdurchsuchungen.
Wortspiele zu Ermittlungsverfahren.
Zuspitzung zu Bewährungsstrafen.

Nicht, weil der Staat bedroht wäre.
Sondern weil er keine Respektlosigkeit mehr duldet.

Das Ziel ist nicht Rechtsschutz.
Das Ziel ist Abschreckung.

Wer sieht, was anderen passiert, überlegt zweimal, ob er noch lacht.


Der Sonderstatus der Mächtigen

Ein besonders entlarvendes Element dieses Systems ist der Politiker-Sonderparagraph § 188 StGB. Er schützt Amtsträger stärker als normale Bürger – mit höherem Strafrahmen und größerem Ermittlungsdruck.

Das ist eine Umkehr demokratischer Logik.

In einer freien Gesellschaft müssen diejenigen, die Macht ausüben, mehr Kritik ertragen, nicht weniger. Genau das war einmal Konsens. Heute wird dieser Grundsatz stillschweigend aufgegeben.

Die Macht wird empfindlich.
Der Bürger vorsichtig.


Die neue Anpassung

Das vielleicht Beunruhigendste ist nicht der Staat.
Es ist die Gesellschaft.

Viele merken, dass sich etwas verschiebt.
Aber sie ziehen sich zurück.

Nicht, weil sie überzeugt wären.
Sondern weil sie nichts riskieren wollen.

Career.
Ruf.
Soziale Ächtung.

So entsteht kein offener Zwang, sondern Selbstzensur.
Kein lautes Verbot, sondern leises Schweigen.

Die wirksamste Form der Kontrolle.


Fazit: Die Mauer steht wieder – unsichtbar

Die Demokratie stirbt selten an Diktatoren.
Sie stirbt an Anpassung.

An Sprache, die Kritik moralisch abwertet.
An Strukturen, die Abweichung sanktionieren.
An Gesetzen, die Macht schützen statt begrenzen.

Die neue Mauer verläuft nicht durch Berlin.
Sie verläuft durch Köpfe, Institutionen und Gesetze.

Wer sie benennt, gilt als Problem.
Und genau darin liegt das Warnsignal.


Wenn dir dieser Text aus der Seele spricht:
Teile ihn.
Verlinke ihn.
Werde laut.

👉 Denn Freiheit verschwindet nicht auf einen Schlag.
Sie wird Schritt für Schritt verwaltet.




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Marla Svenja Liebich is the author and publisher of Marlas Army.
On Marla’s Army, she publishes analyses, commentary, and personal accounts on social and political developments in Germany.
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