Ein zufälliges Treffen auf der Straße.
Ein Ministerpräsident, der spontan für ein Fotoshooting stehen bleibt.
Locker, offen, sympathisch.
So sollte das Video von Hendrik Wüst wirken.
So wirkte es auch – zunächst.
Doch inzwischen ist klar: Die Begegnung war abgesprochen. Sie war Teil geplanter Social-Media-Formate. Mit anderen Worten: Die Spontaneität war organisiert.
Die Illusion vom „Zufall“
Die Verteidigung klingt fast zynisch:
Nicht jedes Wort sei geskriptet gewesen. Die Interaktion habe sich „aus der Situation heraus“ entwickelt.
Doch das ändert nichts am Kernproblem. Das Treffen war geplant. Der Rahmen war gesetzt. Die Situation war arrangiert.
Wenn Inszenierung als Natürlichkeit verkauft wird, entsteht ein Vertrauensbruch – auch wenn er auf den ersten Blick klein erscheinen mag.
Politik im Zeitalter der Dauer-Performance
Social Media ist längst zentraler Bestandteil politischer Kommunikation. Dagegen ist nichts einzuwenden. Transparenz, direkte Ansprache, Einblicke in den Alltag – all das kann demokratische Prozesse stärken.
Doch die Grenze wird dort überschritten, wo Realität nur noch simuliert wird.
Wenn Bürgernähe choreografiert wird.
Wenn Authentizität zur Marketingstrategie verkommt.
Wenn Politiker eher an ihre Bildwirkung denken als an ihre Wirkung im Land.
Dann verschiebt sich etwas Grundsätzliches.
Das Problem ist größer als ein Video
Ein einzelnes inszeniertes Treffen mag harmlos wirken. Doch es steht symbolisch für eine Entwicklung: Politik wird zur Kulisse.
Wer im Kleinen bereit ist, Illusionen zu erzeugen, schwächt seine Glaubwürdigkeit im Großen. Und Glaubwürdigkeit ist das Fundament politischer Autorität.
In Zeiten multipler Krisen – wirtschaftlich, gesellschaftlich, sicherheitspolitisch – brauchen Bürger keine perfekt ausgeleuchteten Bilder. Sie brauchen Orientierung. Ehrlichkeit. Klarheit.
Die Verantwortung der Medien
Auffällig ist auch, wie zurückhaltend viele große Medien reagieren. Kritik bleibt oft nüchtern, Empörung verhalten. Man berichtet – aber ohne Schärfe.
Dabei stellt sich eine berechtigte Frage: Würde man ähnlich milde urteilen, wenn ein politischer Außenseiter eine vergleichbare Inszenierung betrieben hätte?
Gleichbehandlung ist ein Kernprinzip journalistischer Glaubwürdigkeit. Ohne sie wird auch mediale Kritik selbst zum Teil des Problems.
Vertrauen ist keine PR-Strategie
Vertrauen lässt sich nicht filmen.
Es lässt sich nicht schneiden.
Und es lässt sich nicht planen.
Es entsteht durch konsistentes Handeln, durch Transparenz und durch die Bereitschaft, auch Unbequemes offen anzusprechen.
Wer Politik zur Dauerinszenierung macht, riskiert, dass Bürger irgendwann nur noch die Show sehen – und nicht mehr den Inhalt.
Conclusion
Der Fall zeigt, wie sensibel das Thema Glaubwürdigkeit geworden ist. Bürger sind kritischer denn je. Und das ist gut so.
Eine lebendige Demokratie braucht keine perfekt produzierten Zufallsbegegnungen. Sie braucht echte Begegnungen – auch wenn sie unbequem, chaotisch oder weniger fotogen sind.
Wenn Politik wieder Vertrauen gewinnen will, muss sie den Mut haben, auf Inszenierung zu verzichten – und stattdessen auf Substanz zu setzen.
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