Gasspeicher nur noch bei 26 Prozent – Warum Deutschlands Energiepolitik wieder am Abgrund steht

Person mit Hut und Pelzmantel steht vor transparenten Gasspeichern mit Füllanzeige bei 26 Prozent und der Schlagzeile „Der Winter naht“

26,99 Prozent.

Das ist kein Randwert.
Das ist ein Warnsignal.

Am 9. Februar 2026 sind Deutschlands Gasspeicher laut AGSI nur noch zu knapp 27 Prozent gefüllt – so niedrig wie seit der Energiekrise 2022 nicht mehr. Ende Januar lagen sie noch über 41 Prozent. Innerhalb weniger Wochen ist der Winterpuffer massiv abgeschmolzen.

Und wieder hören wir:
„Kein Grund zur Sorge.“

Doch genau diese Beruhigungspolitik hat uns schon einmal in die Krise geführt.

A ergänzendes Videostatement zur aktuellen Entwicklung der Gasspeicherstände wurde gesondert veröffentlicht und vertieft die im Artikel dargestellten Aspekte zur Versorgungssicherheit und Speicherpolitik.


30–40 Prozent wären nötig – wir liegen darunter

Die Fernleitungsnetzbetreiber sagen klar:
Zwischen 30 und 40 Prozent braucht es im Winter, um Netzstabilität und Versorgungssicherheit zu gewährleisten.

Dieses Niveau ist unterschritten.

Besonders dramatisch ist die Lage in Bayern:

  • Wolfersberg: 4,23 Prozent
  • Breitbrunn: 14,11 Prozent
  • Bierwang: 34,25 Prozent – stark fallend

Das ist kein „normaler Verbrauch“.
Das ist strukturelle Schwäche.


Zwei Deutschlands – zwei Versorgungsrealitäten

Im Osten sieht es auf den ersten Blick besser aus. Einige Speicher dort liegen noch um die 30 bis 40 Prozent. Doch dieser Eindruck täuscht.

Die Bundesnetzagentur bestätigt:
Die Einspeisesituation Ostdeutschlands unterscheidet sich deutlich von Bayern – insbesondere durch Importmöglichkeiten und LNG-Einspeisungen.

Was heißt das konkret?

Der Süden ist stärker auf regionale Speicher angewiesen.
Der Osten wird stärker über laufende Importe versorgt.

Das bedeutet:
Im Osten fließt das Gas – aber es wird weniger gepuffert.

Solange LNG-Schiffe anlanden und Netze stabil laufen, funktioniert das System.
Doch bei Störungen wird es sofort kritisch.

Das ist keine Resilienz.
Das ist Abhängigkeit.


Rehden: Europas größter Speicher fast leer

Besonders alarmierend ist der Blick auf Rehden.

Europas größter Porenspeicher liegt bei unter 8 Prozent Füllstand.

Früher stand er für rund ein Fünftel der deutschen Speicherkapazität.
Heute ist er ein Symbol für politisches Versagen.

Betrieben wird er von Sefe Storage. Doch die Betreiber entscheiden nicht über die Befüllung – das tun Händler.

Und genau hier liegt das Problem.

Im vergangenen Sommer lohnte sich das Einspeichern wirtschaftlich nicht. Händler rechneten nicht mit stark steigenden Winterpreisen. Also blieb das Gas draußen.

Marktlogik statt Sicherheitslogik.


Der Staat zieht sich zurück – und das Risiko steigt

2022 hat der Staat mit der Gasspeicher-Sicherheitsumlage aktiv eingegriffen und Speicherbefüllungen finanziert.

Im Januar 2026 wurde diese Umlage abgeschafft.

Das Signal ist klar:
Der Staat zieht sich zurück.

Die Branche warnt.

Sebastian Heinermann von INES betont, dass Speicher in den vergangenen Wochen erheblich zur Versorgung beigetragen haben.

Stefan Dohler von EWE warnt seit Monaten vor fehlenden wirtschaftlichen Anreizen zum Einspeichern.

Und auch Ontras stellt klar: LNG kann Flexibilität schaffen – aber Speicher nicht ersetzen.

Trotzdem passiert politisch wenig.

Das Bundeswirtschaftsministerium prüft.
Diskutiert.
Spekuliert.

Aber entscheidet nicht.


LNG ersetzt keine Speicher

Ja, LNG-Importe sind gestiegen.
Ja, Terminals liefern.

Doch LNG ist:

  • preisvolatil
  • geopolitisch sensibel
  • wetterabhängig
  • logistisch komplex

Speicher dagegen sind strategische Reserve.

Wenn wir Versorgungssicherheit dem Markt überlassen, wird sie zur Wette.
Und Energiepolitik zur Spekulation.

Energie ist jedoch keine Aktie.
Sie ist kritische Infrastruktur.


Das strukturelle Problem

Deutschland hat aus 2022 offenbar nur halb gelernt.

Wir haben:

  • Speicherziele definiert
  • Umlagen eingeführt
  • Notfallpläne geschrieben

Und dann – sobald der Druck nachließ – wieder Marktmechanismen dominieren lassen.

Wenn Händler keinen Profit sehen, wird nicht eingespeichert.

Wenn der Staat sich zurückzieht, bleibt eine Lücke.

Und diese Lücke sehen wir jetzt: 26 Prozent.


Was jetzt passieren kann

Noch ist keine Mangellage ausgerufen.

Aber:

Je leerer die Speicher,
desto empfindlicher reagiert das System auf:

  • Kälteeinbrüche
  • LNG-Verzögerungen
  • geopolitische Eskalationen
  • Marktpanik
  • Preissprünge am Spotmarkt

Vor allem Ostdeutschland hängt stärker am laufenden Importfluss.

Wenn dieser ins Stocken gerät, fehlt der Puffer.

Mitten im Winter.


Energie ist Staatsaufgabe – keine Spekulation

Meine Wut kommt nicht aus Panik.

Sie kommt aus Erfahrung.

2022 war Warnung genug.
Wir hatten Zeit.
Wir hatten Daten.
Wir hatten Handlungsspielraum.

Und trotzdem stehen wir wieder bei unter 30 Prozent.

Versorgungssicherheit darf keine Frage der Gewinnmarge sein.

Sie ist Teil nationaler Souveränität.

Wenn Speicher leer bleiben, weil sich Einspeichern „nicht rechnet“, dann ist das kein Marktversagen allein – es ist politisches Versagen.


Fazit: Dünner Puffer, steigendes Risiko

Deutschland steht nicht vor dem Blackout.

Aber wir stehen auf dünnem Eis.

26 Prozent im Februar sind kein Normalwert.
Sie sind ein strukturelles Warnsignal.

Wer jetzt beschwichtigt, verdrängt.
Wer jetzt nicht handelt, riskiert den nächsten Schock.

Energiepolitik braucht:

  • strategische Reserve
  • klare staatliche Verantwortung
  • verlässliche Speicheranreize
  • langfristige Planung statt Marktoptimismus

Sonst wiederholt sich die Krise.

Und diesmal ohne Überraschung.


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Marla Svenja Liebich is the author and publisher of Marlas Army.
On Marla’s Army, she publishes analyses, commentary, and personal accounts on social and political developments in Germany.
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