Deutschlands Gasspeicher unter 30 %: Warum die 20-Prozent-Schwelle brandgefährlich ist

Marla vor einem Porenspeicher mit der Schlagzeile „Bei 20 % wird’s eng“ – Thema sinkende Entnahmeleistung der Gasspeicher

25,6 Prozent.

So niedrig lag der Füllstand der deutschen Gasspeicher Mitte Februar 2026.

Was viele beruhigt, ist genau das Problem:
„Ein Viertel ist doch noch da.“

No.
So funktionieren Porenspeicher nicht.

Die 20-Prozent-Marke ist keine politische Größe.
Sie ist eine physikalische Grenze.

Und genau das wird in der öffentlichen Debatte systematisch unterschätzt.

Ein ergänzendes Videostatement mit technischer Einordnung der 20-Prozent-Schwelle und der physikalischen Hintergründe der Entnahmeleistung ist gesondert veröffentlicht.


Der große Denkfehler: Menge ist nicht gleich Versorgung

Viele stellen sich einen Gasspeicher wie einen Tank vor.

Solange noch etwas drin ist, kann man es auch nutzen.
Fast bis zum letzten Tropfen.

Doch Deutschlands wichtigste Speicher sind sogenannte Porenspeicher.
Das Gas liegt dort nicht in einer Hohlkammer, sondern in porösem Gestein – meist Sandstein – verteilt in Millionen mikroskopischer Poren.

Das bedeutet:

Je leerer der Speicher wird,
desto stärker sinkt der Druck.

Und mit sinkendem Druck sinkt die Entnahmeleistung.

Das Problem lautet also nicht:

Wie viel Gas ist noch da?

But rather:

Wie schnell kann es noch geliefert werden?


Das Darcy-Gesetz: Die Physik setzt die Grenze

Schon 1856 beschrieb der französische Ingenieur Henry Darcy das Strömungsverhalten von Fluiden in porösen Medien.

Sein Gesetz ist simpel:

Mehr Druck → höherer Durchfluss.
Weniger Druck → geringerer Durchfluss.

Übertragen auf Gasspeicher heißt das:

Bei sinkendem Füllstand fällt nicht nur die Restmenge –
sondern die maximale Stundenleistung.

Analysen aus dem Februar 2026 zeigen ein klares Muster:

  • Bis etwa 50 % bleibt die Entnahme relativ stabil
  • Bei 35 % liegt die Leistung bereits rund 20–25 % unter Vollniveau
  • Unter 20 % bricht die Spitzenleistung massiv ein

Und genau dort beginnt das Risiko.


Porenspeicher vs. Kavernen: Zwei völlig verschiedene Werkzeuge

Deutschland nutzt zwei Speichertypen.

Kavernenspeicher

In Salzstöcken angelegt.
Schnell be- und entladbar.
Ideal zur Abdeckung von Lastspitzen.

Sie sind das „Turbolader-System“ des Gasnetzes.

Porenspeicher

Große Kapazität.
Langsame Reaktion.
Stark druckabhängig.

Sie speichern viel –
aber sie liefern träge.

Ein Großteil der deutschen Gesamtkapazität steckt in genau diesen Porenspeichern.

Und genau dort wird es kritisch.


Das Beispiel Rehden: Wenn Zahlen täuschen

Der größte deutsche Porenspeicher, der Gasspeicher Rehden, lag zuletzt bei rund 11 Prozent.

Bayerische Porenspeicher lagen Ende Januar bei etwa 25 Prozent – vorgesehen waren 40 Prozent.

Diese Zahlen bedeuten nicht nur „weniger Reserve“.

Sie bedeuten:

Die maximal abrufbare Leistung schrumpft.

Ein Speicher kann noch Gas enthalten –
aber er kann es nicht mehr schnell genug ins Netz drücken.

Und genau das entscheidet im Winter.


Warum unter 20 Prozent mehrere Risiken gleichzeitig wirken

Sobald die 20-Prozent-Marke unterschritten wird, greifen drei Effekte parallel:

1. Druckverlust im Untergrund

Mit jeder Entnahme sinkt der Lagerstättendruck.
Je geringer das Druckgefälle, desto geringer der Gasstrom.

2. Überproportionaler Leistungsabfall

Der Leistungsrückgang verläuft nicht linear.
Unterhalb bestimmter Druckniveaus fällt die Entnahmefähigkeit abrupt.

3. Das Kissengas-Problem

Ein Teil des Gases – das sogenannte Kissengas –
muss dauerhaft im Speicher verbleiben, um Mindestdruck zu gewährleisten.

Die veröffentlichten Füllstände beziehen sich meist auf das Arbeitsgas.
Sie zeigen nicht die komplette Druckrealität.

Das erzeugt einen trügerischen Eindruck von „Restbestand“.


Die Winterrechnung: Wo die Lücke entsteht

Der durchschnittliche Winterbedarf liegt bei etwa 4 TWh pro Tag.
An sehr kalten Tagen steigt er auf bis zu 5 TWh.

Pipeline- und LNG-Importe liefern derzeit etwa 3,1 bis 3,3 TWh täglich.

Die Differenz muss aus Speichern kommen:

0,7 bis 1,9 TWh pro Tag.

Wenn Porenspeicher wegen Druckverlust nur eingeschränkt liefern können, entsteht kein Mengenproblem.

Es entsteht ein Leistungsproblem.

Und Leistungsprobleme lassen sich kurzfristig nicht ausgleichen.


Der politische Irrtum

In der öffentlichen Diskussion wird fast ausschließlich über Füllstände gesprochen.

Über Prozentzahlen.
Über Zielmarken.

Doch Versorgungssicherheit hängt nicht primär an der gespeicherten Menge.

Sie hängt an:

  • Druck
  • Durchfluss
  • Stundenleistung

Physik lässt sich nicht verhandeln.

Politische Beschlüsse ändern keine Strömungsgesetze.


Fazit: Die Physik entscheidet – nicht die Prozentzahl

20 Prozent sind keine psychologische Schwelle.

Sie markieren den Übergang vom rechnerischen Restbestand
zum realen Leistungsengpass.

Ein Porenspeicher kann bei 20 Prozent noch Gas enthalten.

Aber er kann es im Ernstfall zu langsam liefern.

Und genau das entscheidet im Winter über Stabilität oder Schieflage.

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Marla Svenja Liebich is the author and publisher of Marlas Army.
On Marla’s Army, she publishes analyses, commentary, and personal accounts on social and political developments in Germany.
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