With Lutz Bachmann and Stefan Kramer at the Night Wolves

Szene in Torgau 2015 mit den Nachtwölfen vor einem Denkmal, Kerzen und Fahnen, Titel „Unter Wölfen“

2015.
Torgau.
Grenzen dicht.

Nicht für Flüchtlinge.
Für Motorräder.

Genauer gesagt: für die „Nachtwölfe“.

Und genau dort bin ich hingefahren.
Auf meiner 50-Kubik-Vespa.


Einreiseverbot für Putins Rocker

Die Debatte war damals hysterisch.

Die Nachtwölfe – ein russischer Motorradclub – wollten auf ihrer Gedenktour auch nach Deutschland kommen. Medien und Politik waren sich einig: Das geht gar nicht.

„Putins Rocker.“
„Rechte Provokation.“
„Gefahr für die öffentliche Ordnung.“

Es wurden Einreiseverbote verhängt.
Grenzen wurden dicht gemacht.

2015 ging das.

Für Motorräder offenbar einfacher als später für Millionen Menschen.

Dieser Kontrast war politisch aufschlussreich.


Also bin ich hingefahren

Ich dachte mir:

Wenn hier ein politischer Sturm entfacht wird, dann schaue ich mir das selbst an.

Also habe ich mich auf meine Vespa gesetzt und bin nach Torgau getuckert. 50 Kubik gegen Weltpolitik.

Ich war zu diesem Zeitpunkt bereits Mitglied der Die Linke.

Und genau deshalb war es interessant.

Denn das mediale Framing war eindeutig:
Nachtwölfe = rechts.
Rechts = böse.
Böse = Abstand halten.

Ich wollte wissen: Stimmt das Bild?


Gleichzeitig dort: Bachmann und Kramer

Vor Ort traf ich einige Leute. Unter anderem war auch Lutz Bachmann in der Stadt. Ich habe ihn von Weitem gesehen.

Mit ihm hatte ich nichts zu tun. Kein Gespräch. Keine Absprache. Keine gemeinsame Aktion.

Später erfuhr ich, dass auch Stefan Kramer dort war – der Mann, der später Präsident des Thüringer Verfassungsschutz wurde.

Auch mit ihm: kein Kontakt.

Wir waren nicht gemeinsam dort.
Wir waren gleichzeitig dort.

Das ist ein Unterschied.

Aber Fotos erzählen manchmal eine andere Geschichte als die Realität.


Die Presse war irritiert

Was die anwesende Presse sichtlich irritierte:

Da steht eine Linke zwischen „Putins Rockern“.

Das passte nicht ins Narrativ.

Die Schubladen waren vorbereitet.
Nur ich passte nicht hinein.

Und genau das war der interessante Moment.

Nicht wegen der Nachtwölfe.
Nicht wegen der Politik.
Sondern wegen der Mechanik öffentlicher Wahrnehmung.


Das Framing-Problem

Politische Berichterstattung funktioniert oft über Vereinfachung.

Komplexität stört.

Wenn jemand nicht eindeutig zuzuordnen ist, wird es unbequem.

Eine Linke bei einem als „rechts“ gebrandmarkten Motorradclub?
Das sprengt die Schlagzeile.

Doch genau deshalb war ich dort.

Nicht aus Sympathie.
Nicht aus Provokation.
Sondern aus Neugier.

Ich wollte sehen, was wirklich passiert.


2015 war ein Wendepunkt

Heute, rückblickend, wirkt 2015 wie ein Scharnierjahr.

Grenzpolitik wurde selektiv angewendet.
Mediale Empörung wurde selektiv verteilt.
Moralische Maßstäbe waren erstaunlich flexibel.

Damals hieß es:
„Diese Leute dürfen hier nicht rein.“

Später hieß es:
„Grenzen sind keine Mauern.“

Politik ist selten widerspruchsfrei.
Aber 2015 war besonders lehrreich.


Stereotype brechen ist mein Hobby

Ich habe nie viel von politischen Stammeslogiken gehalten.

Links hier.
Rechts dort.
Und bloß nicht mischen.

Das Leben ist komplexer.

Wenn man verstehen will, muss man hingehen.
Wenn man urteilen will, sollte man gesehen haben.

Dieses Foto aus Torgau ist kein Bekenntnis.
Es ist ein Dokument eines Moments.

Und vielleicht auch ein Beweis dafür, dass politische Kategorien oft zu grob sind für die Realität.


Conclusion

Ich war 2015 bei den Nachtwölfen in Torgau.
Auf einer Vespa.
Als Linken-Mitglied.

Zeitgleich waren dort auch Lutz Bachmann und Stefan Kramer.
Ohne Absprache. Ohne Verbindung.

Die Medien waren irritiert.
Ich nicht.

Denn wer nur dort hingeht, wo es politisch bequem ist, lernt nichts.

Und wer nur mit den eigenen Leuten spricht, bleibt in seiner Blase.

Stereotype brechen ist kein Zufall.
Es ist eine Entscheidung.


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Marla Svenja Liebich is the author and publisher of Marlas Army.
On Marla’s Army, she publishes analyses, commentary, and personal accounts on social and political developments in Germany.
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