Was früher undenkbar war, ist heute Alltag:
Gymnasiasten lesen Goethe, Schiller und Lessing in vereinfachter Sprache.
Gekürzt. Bebildert. Entschärft.
Und das soll Fortschritt sein.
No.
Das ist Kapitulation.
Wenn das Gymnasium vor dem Anspruch einknickt
Das Gymnasium hatte einmal eine klare Aufgabe:
Schüler an komplexe Sprache heranzuführen.
Nicht, sie davor zu schützen.
Goethe war nie bequem.
Schiller war nie leicht.
Lessing war nie „barrierefrei“.
Genau deshalb gehören sie ins Gymnasium.
Wer heute behauptet, Klassiker seien „zu schwer“, sagt in Wahrheit etwas anderes:
Wir trauen unseren Schülern nichts mehr zu.
Also senken wir den Anspruch.
Nicht einmal offen – sondern pädagogisch verkleidet.
„Vereinfachung“ heißt das dann.
„Abholen“.
„Zugänglichkeit“.
In Wahrheit ist es: Absenkung.
Sprache ist kein Zubehör – sie ist Denken
Sprache ist nicht bloß ein Transportmittel für Inhalte.
Sie formt das Denken selbst.
Wer komplexe Sätze nicht mehr liest,
kann keine komplexen Gedanken mehr denken.
Wer Wortschatz abbaut,
baut geistige Werkzeuge ab.
Und wer Klassiker sprachlich verstümmelt,
nimmt ihnen genau das, was sie ausmacht:
Rhythmus, Mehrdeutigkeit, Spannung, Widerstand.
Ein „Faust light“ ist kein Faust.
Ein „Nathan in einfacher Sprache“ ist kein Nathan.
Es ist ein Schatten seiner selbst.
Das neue Abitur: betreutes Lesen mit Siegel
Das Erschreckende ist nicht, dass schwächere Schüler Unterstützung brauchen.
Das gab es immer.
Das Erschreckende ist, dass das Gymnasium selbst diese Unterstützung zum Standard macht.
Ein Abschluss, der früher Leistung bedeutete,
wird heute mit minimaler Schreibpraxis,
reduziertem Wortschatz
und Multiple-Choice-Logik erreicht.
Man schreibt kaum noch ganze Texte.
Man analysiert Textschnipsel.
Man kreuzt an, statt zu formulieren.
Das Ergebnis nennt sich dann „Hochschulreife“.
But it didn’t.
Akademische Überlegenheit ohne Fundament
Und jetzt kommt die eigentliche Perversion.
Diese Schüler gehen studieren.
Mit Abitur.
Mit Titel.
Mit Status.
Und sie fühlen sich überlegen.
Dem Handwerker.
Der Pflegekraft.
Dem Verkäufer.
Nicht wegen Kompetenz –
sondern wegen Zertifikat.
Eine Bildungsaristokratie ohne Bildung.
Ein akademischer Dünkel ohne geistige Tiefe.
Das ist kein individuelles Versagen.
Das ist systemisch erzeugt.
Die Ausreden sind bekannt – und falsch
Migration.
Heterogenität.
Überforderung.
Alles reale Themen.
Aber keine Rechtfertigung für Anspruchslosigkeit.
Wer glaubt, man helfe Schülern, indem man Inhalte verflacht,
verwechselt Förderung mit Schonung.
Förderung heißt:
hinführen, erklären, üben, verlangen.
Schonung heißt:
vereinfachen, kürzen, entschärfen.
Das eine bildet.
Das andere verblödet.
Fazit: Das ist kein Unfall, das ist gewollt
Seit Jahrzehnten werden Ansprüche gesenkt.
Stundenzahlen gekürzt.
Wortschätze reduziert.
Schreiben ersetzt durch Ankreuzen.
Jetzt sind die Klassiker dran.
Nicht, weil sie überholt wären.
Sondern weil sie zu viel verlangen.
Eine Gesellschaft, die ihre Sprache aufgibt,
gibt ihr Denken auf.
Und eine Gesellschaft, die ihr Denken aufgibt,
wird lenkbar.
Das hier ist kein Kulturpessimismus.
Das ist eine nüchterne Diagnose.
Wir verblöden.
Und nennen es Bildung.
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