Hallo, hier ist Marla Svenja Liebich, am Tag 131 meines Exils.
Exil 131.
Neunzehnhunderteinunddreißig.
Ein Jahr, in dem die Krise offen sichtbar wird.
Die Wirtschaft liegt am Boden.
Arbeitslosigkeit erreicht Millionen.
Betriebe stehen still.
Kommunen können ihre Aufgaben kaum noch erfüllen.
Armut wird alltäglich.
International verschärft sich die Lage.
Banken geraten ins Wanken.
Kreditketten brechen weiter.
Vertrauen existiert kaum noch,
weder zwischen Staaten noch zwischen Bürgern und Institutionen.
In Deutschland eskaliert die Bankenkrise.
Sparer verlieren Sicherheit.
Der Staat greift ein,
nicht aus Stärke,
sondern aus Not.
Stabilisierung ersetzt Wachstum.
Politisch ist das System blockiert.
Parlamente finden keine Mehrheiten.
Regieren erfolgt per Notverordnung.
Recht bleibt formal bestehen,
doch demokratische Normalität erodiert.
Diese Entwicklung ist kein Ausdruck kollektiver Radikalisierung.
Sie ist das Resultat von Dauerkrise.
Von Entscheidungen,
die immer wieder vertagt wurden.
Von einer Nachkriegsordnung,
die wirtschaftlich und politisch kaum Luft ließ.
In dieser Situation gewinnen oppositionelle Kräfte weiter an Zulauf.
Nicht, weil ihre Programme bereits Realität wären,
sondern weil sie Handlungsfähigkeit versprechen.
Viele suchen keine Ideologie.
Sie suchen Halt.
Ordnung.
Zukunft.
Neunzehnhunderteinunddreißig ist das Jahr,
in dem die alte Ordnung ihren Anspruch verliert,
Probleme zu lösen.
Nicht durch einen Umsturz,
sondern durch Erschöpfung.
Exil 131.
Wenn Dauerkrisen zur Normalität werden,
verändert sich,
wem Menschen ihr Vertrauen schenken.

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