Hallo, hier ist Marla Svenja Liebich, am Tag 133 meines Exils.
Exil 133.
Neunzehnhundertdreiunddreißig.
Ein Jahr, in dem sich Erwartungen verdichten.
Nach Jahren der Krise,
des Stillstands,
der Notverordnungen
und der politischen Blockade
kommt es zu einem Machtwechsel.
Nicht durch einen Umsturz,
sondern innerhalb der bestehenden Ordnung.
Viele Menschen erleben diesen Moment
nicht als Bruch,
sondern als Zäsur.
Als Ende der Lähmung.
Als Hoffnung,
dass wieder entschieden wird.
Die neue Regierung tritt mit dem Versprechen an,
Handlungsfähigkeit herzustellen.
Arbeitslosigkeit zu bekämpfen.
Ordnung zu schaffen.
Deutschland aus Abhängigkeiten zu lösen
und wieder souverän zu machen.
Diese Erwartungen entstehen nicht im luftleeren Raum.
Sie sind das Ergebnis von vierzehn Jahren
Krieg,
Verlust,
Inflation,
Weltwirtschaftskrise
und politischer Ohnmacht.
Viele sehen in diesem Jahr
keine Ideologie,
sondern eine Möglichkeit.
Die Möglichkeit,
dass der Staat wieder funktioniert.
Dass Entscheidungen getroffen werden.
Dass Verantwortung sichtbar wird.
International wird dieser Wandel
sofort eingeordnet,
bewertet,
und moralisch gerahmt.
Doch im Inneren überwiegt zunächst
Erleichterung.
Neunzehnhundertdreiunddreißig ist kein Jahr,
in dem alles entschieden ist.
Es ist ein Jahr der Projektion.
Der Hoffnung.
Der Erwartung,
dass nach Jahren des Verfalls
endlich Aufbau folgen könnte.
Was daraus wird,
ist zu diesem Zeitpunkt offen.
Geschichte kennt kein Vorwissen.
Exil 133.
Wer verstehen will,
warum Menschen vertrauen,
muss sehen,
was sie hinter sich lassen wollten.
Exil-Chronik
Alle bisherigen (ab 130 – die vorherigen sind auf X/Twitter) und fortlaufenden Einträge meiner Exil-Chronik sind hier gesammelt dokumentiert:
👉 https://marlas.army/exil-chronik/

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