Hallo, hier ist Marla Svenja Liebich, am Tag 134 meines Exils.
Exil 134.
Neunzehnhundertvierunddreißig.
Ein Jahr, in dem Macht konzentriert wird
und Ordnung sichtbar hergestellt werden soll.
Im Inneren werden Zuständigkeiten gebündelt.
Der Staat tritt geschlossen auf.
Entscheidungen werden schneller getroffen.
Der Eindruck von Handlungsfähigkeit prägt den Alltag.
Im Sommer kommt es zu einem einschneidenden Ereignis.
Innerparteiliche Machtkämpfe werden gewaltsam beendet.
Der Staat zeigt,
dass er keine konkurrierenden Zentren mehr duldet.
Für viele ist das ein Signal der Stabilisierung.
Für andere ein erstes Warnzeichen.
Kurz darauf stirbt der Reichspräsident.
Die verbliebenen Ämter werden zusammengeführt.
Die politische Verantwortung konzentriert sich
in einer Hand.
Formal,
rechtlich abgesichert,
ohne unmittelbaren Widerstand.
Gleichzeitig beginnt eine außenpolitische Neuorientierung.
Deutschland tritt aus internationalen Kontrollstrukturen aus.
Die eigene Souveränität wird betont.
Nicht als Angriff,
sondern als Korrektur einer Ordnung,
die seit dem Weltkrieg als einseitig empfunden wurde.
Arbeitsprogramme werden ausgeweitet.
Großprojekte vorangetrieben.
Beschäftigung steigt.
Der Staat wird sichtbar im Leben der Menschen.
Für viele ist das ein Bruch
mit Jahren der Unsicherheit.
Doch mit der Ordnung wächst auch der Preis.
Politische Vielfalt schrumpft.
Abweichung wird riskanter.
Einheit wird zur Voraussetzung
für Teilhabe.
Neunzehnhundertvierunddreißig ist kein Jahr des Chaos.
Es ist ein Jahr der Entscheidung
für Klarheit,
Zentralisierung
und Geschwindigkeit.
Was Stabilität gewinnt,
verliert an Offenheit.
Was Ordnung verspricht,
verlangt Anpassung.
Exil 134.
Großereignisse schaffen Fakten.
Ihre Folgen zeigen sich
erst später.
Exil-Chronik
Alle bisherigen (ab 130 – die vorherigen sind auf X/Twitter) und fortlaufenden Einträge meiner Exil-Chronik sind hier gesammelt dokumentiert:
👉 https://marlas.army/exil-chronik/

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