Hallo, hier ist Marla Svenja Liebich, am Tag 135 meines Exils.
Exil 135.
Neunzehnhundertfünfunddreißig.
Ein Jahr, in dem Ordnung verrechtlicht wird.
Der Staat gibt sich neue Regeln.
Zuständigkeiten werden präzisiert.
Loyalität wird definiert.
Zugehörigkeit juristisch festgeschrieben.
Was zuvor politisch wirkte,
wird nun rechtlich fixiert.
Außenpolitisch tritt Deutschland selbstbewusster auf.
Beschränkungen der Nachkriegsordnung
werden offen in Frage gestellt.
Nicht als spontaner Akt,
sondern als kalkulierter Schritt.
Viele empfinden das als Wiedergewinn
staatlicher Handlungsfähigkeit.
International reagieren die Mächte zurückhaltend.
Protest bleibt formal.
Konsequenzen begrenzt.
Die Ordnung Europas wirkt müde,
mehr auf Stabilität bedacht
als auf Durchsetzung.
Im Inneren verstetigt sich der Umbau.
Der Staat organisiert Gesellschaft.
Arbeit, Freizeit, Öffentlichkeit.
Strukturen greifen ineinander.
Der Alltag wird planbarer,
aber auch enger.
Für viele bedeutet das Sicherheit.
Arbeitsbeschaffung zeigt Wirkung.
Großprojekte schreiten voran.
Der Eindruck entsteht,
dass Entscheidungen wieder umgesetzt werden.
Gleichzeitig verengt sich der Raum
für Abweichung.
Nicht abrupt,
sondern systematisch.
Anpassung wird erwartet.
Nicht immer erzwungen,
oft vorausgesetzt.
Neunzehnhundertfünfunddreißig ist kein Jahr der Überraschung.
Es ist ein Jahr der Normalisierung.
Was zuvor Übergang war,
wird Alltag.
Was als Ausnahme begann,
wird Struktur.
Exil 135.
Wenn Ordnung Gesetz wird,
verändert sich nicht nur der Staat,
sondern auch das,
was Menschen als normal empfinden.
Exil-Chronik
Alle bisherigen (ab 130 – die vorherigen sind auf X/Twitter) und fortlaufenden Einträge meiner Exil-Chronik sind hier gesammelt dokumentiert:
👉 https://marlas.army/exil-chronik/

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