Als Satire für echt gehalten wurde – unsere „Corona-Polizei“ am Bahnhof

Es war einer dieser Tage, an denen wir beschlossen, die Realität nicht zu kommentieren – sondern sie zu spiegeln.

Weiße Maleranzüge.
Armbinden.
Masken.

Unser „Corona-Polizei“-Outfit.

Ein gesondert veröffentlichtes Videostatement dokumentiert die Aktion zusätzlich aus visueller Perspektive und ergänzt den Text um konkrete Szenen der Performance.

Wir bewegten uns in Formation durch den Bahnhof. Militärisch, aber mit einem Augenzwinkern. Keine echte Kontrolle, keine Befugnisse, keine Macht – nur eine überzeichnete Kopie dessen, was damals längst zum Alltag geworden war.

Unser Plan war simpel:
Wir stellten uns dorthin, wo die Menschen in Massen vorbeiströmten, und kontrollierten das „richtige“ Tragen der Mund-Nasen-Bedeckung. Genau so, wie es überall praktiziert wurde. Nur bewusst überspitzt. Parodistisch. Ohne Gewalt, ohne Zwang – nur mit Tonfall, Haltung und Autoritätssimulation.

Der berühmte „Nasentrick“ reichte aus.
Maske halb im Gesicht – und wir gingen in Aktion.

Strenger Blick.
Erhobener Finger.
„Bitte Maske richtig tragen.“

Manche lachten sofort.
Andere waren irritiert.
Einige wirkten regelrecht verunsichert.

Und ja – wir drohten auch Bußgelder an. Nicht ernsthaft. Nicht real. Aber in genau dem Tonfall, den alle kannten. Und genau da begann das Interessante: Viele Menschen fragten nicht nach Ausweisen. Sie hinterfragten nicht die Situation. Sie ordneten sich ein.

Natürlich tauchte irgendwann die echte Polizei auf.

Sie stellten sich etwa zwanzig Meter entfernt auf, beobachteten uns – und man sah ihnen an, dass sie schnell verstanden: Das ist keine illegale Kontrolle. Das ist eine Kunstaktion. Eine Performance. Eine Spiegelung.

Sie hielten Abstand.
Und taten so, als hätten sie nichts mit uns zu tun.

Dann kam der Moment, der alles übertraf.

Eine junge Frau trat auf uns zu.
Sichtlich schwanger.

Sie zeigte auf ihren Bauch und erklärte sehr bestimmt, sie habe ein Attest und müsse keine Maske tragen. Wir könnten ihr also kein Bußgeld androhen.

Ich blieb vollkommen in der Rolle. Kein Grinsen. Kein Augenzwinkern.
Und sagte nur:
„Dann müssen Sie das bitte unseren Kollegen dort hinten vorzeigen.“

Ich deutete auf die echten Polizisten.

Und die Frau – vollkommen überzeugt, dass es sich um unsere Verstärkung handelte – ging tatsächlich los. Zielstrebig. Selbstsicher. Direkt auf die echten Beamten zu.

Wir standen da und mussten uns zusammenreißen, nicht laut loszulachen.

Die Szene, die sich dort abspielte, war reines Theater:
Die Frau erklärte den Polizisten, ihre „Kollegen da vorne“ hätten sie geschickt, um zu beweisen, dass sie schwanger sei und keine Maske tragen müsse.

Die Reaktion der Polizei war unbezahlbar.
Man sah ihnen an, wie sie innerlich die Augen verdrehten.
Sie winkten nur ab und sagten sinngemäß:
„Machen Sie, dass Sie weiterkommen. Die da vorne haben nichts mit uns zu tun.“

Das war die perfekte Pointe.

Die echte Staatsmacht distanzierte sich klar von uns.
Die Bürgerin war felsenfest überzeugt, wir seien offiziell.
Und genau in diesem Spannungsfeld lag der Kern der Aktion.

Es ging nie darum, Menschen bloßzustellen.
Es ging darum zu zeigen, wie leicht Autorität akzeptiert wird, wenn Regeln absurd werden. Wie schnell Satire zur Realität wird, wenn Kontrolle normalisiert ist. Und wie sehr sich Menschen an Vorgaben klammern, selbst wenn sie offensichtlich überzeichnet sind.

Dass ausgerechnet eine schwangere Frau mitten in dieses Spiel geriet, machte die Szene zu einem unfreiwilligen Theaterstück – besser, als es jede Inszenierung hätte planen können.

Am Ende war es eine dieser Aktionen, die mehr sagen als jede Rede.
Über Kontrollwahn.
Über Verunsicherung.
Über groteske Alltagsmomente, die damals völlig normal waren.

Und vielleicht auch darüber, wie wichtig es ist, im richtigen Moment zu fragen:
Ist das noch Ordnung – oder schon Gehorsamstheater?


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Marla Svenja Liebich ist Autorin und Herausgeberin von Marlas Army.
Auf Marlas Army veröffentlicht sie Analysen, Kommentare und persönliche Berichte zu gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen in Deutschland.
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