Manchmal ruft man einfach „Peng“.
Beim Spielen.
Im Wald.
Mit Airsoft.
Und plötzlich steht der Vorwurf im Raum: Terrorismus.
Was wie eine groteske Überzeichnung klingt, ist inzwischen Teil eines realen Strafverfahrens. Acht Männer stehen vor Gericht. Der Vorwurf ist maximal, die Bilder sind groß, die Begriffe schwer. „Terroristische Vereinigung“. „Separatisten“. „Eroberung von Landstrichen“.
Doch wer genauer hinsieht, merkt schnell: Dieser Prozess erzählt eine andere Geschichte. Und die ist für den Rechtsstaat gefährlicher als jede Schlagzeile.
Ein gesondert veröffentlichtes Videostatement beleuchtet ergänzend die rechtlichen und grundsätzlichen Fragen, die sich aus dem laufenden Verfahren ergeben.
Große Vorwürfe, erstaunlich wenig Substanz
Terrorismus ist kein kleiner Vorwurf. Er gehört zu den schärfsten Waffen, die ein Staat juristisch einsetzen kann. Entsprechend hoch müssten die Hürden sein. Konkrete Anschlagspläne. Waffenbeschaffung. Zieldefinitionen. Vorbereitungshandlungen.
Doch genau das fehlt bisher.
Stattdessen dreht sich das Verfahren auffällig oft um Dinge, die mit klassischem Strafrecht wenig zu tun haben. Um politische Einstellungen. Um Weltbilder. Um Biografien. Um Chats aus der Vergangenheit. Um Worte, die interpretiert werden. Um Gedanken, die bewertet werden sollen.
Nicht die Tat steht im Zentrum, sondern die Haltung.
Vom Strafprozess zur Gesinnungsprüfung
Wer die Verhandlungstage verfolgt, gewinnt den Eindruck, dass hier weniger gefragt wird:
„Was habt ihr getan?“
Sondern vielmehr:
„Was denkt ihr?“
„Wie steht ihr zur Demokratie?“
„Wie ordnet ihr euch politisch ein?“
Das mag für Talkshows interessant sein. Für den Strafprozess ist es hochproblematisch.
Denn ein Rechtsstaat bestraft Handlungen, keine Meinungen. Er bewertet Beweise, keine Gesinnungen. Er urteilt über konkrete Taten, nicht über innere Überzeugungen.
Sobald diese Grenze verwischt, verändert sich das System selbst.
Die „Trainings“: Realität gegen Erzählung
Ein zentrales Element der Anklage sind sogenannte Trainings oder Wehrsportübungen. In der öffentlichen Darstellung klingt das nach paramilitärischer Vorbereitung. Nach Ernstfall. Nach Gewalt.
Die Beschreibungen aus dem Verfahren zeichnen ein anderes Bild. Airsoft-Spiele im Wald. Zelten. Lagerfeuer. Freizeit. Teilweise defektes Equipment. Ersatzweise „Peng“-Rufe.
Man kann das albern finden. Man kann es politisch ablehnen. Man kann es geschmacklos nennen. Aber all das ersetzt keine strafrechtliche Relevanz.
Strafrecht ist kein Instrument zur Ästhetik- oder Moralbewertung. Es ist dazu da, reale Gefahren zu ahnden. Nicht projizierte.
Chats, Deutung und der gefährliche Maßstab
Besonders brisant ist die Rolle alter Chatverläufe. Jahre alte Aussagen werden aus ihrem Kontext gelöst und neu interpretiert. Nicht als historische Dokumente, sondern als Bausteine einer Erzählung.
Das Problem dabei ist grundlegend: Worte sind dehnbar. Bedeutungen verändern sich. Kontexte gehen verloren. Wer im Nachhinein alles durch eine einzige Brille liest, findet zwangsläufig Bestätigung für die eigene These.
Psychologen nennen das Bestätigungsfehler. Juristisch ist es ein Risiko.
Denn wenn Interpretation Beweis ersetzt, verliert das Verfahren seine Objektivität.
Warum dieser Prozess uns alle betrifft
Es wäre ein Fehler, diesen Fall als Randphänomen abzutun. Oder als Problem „der anderen Seite“. Heute trifft es politisch Unbequeme. Morgen kann es andere treffen.
Ein Staat, der beginnt, Gedanken wie Taten zu behandeln, senkt die Hürden für Repression. Nicht mit einem großen Knall, sondern schleichend. Über Verfahren. Über Begriffe. Über Maßstäbe.
Wenn „Peng“ reicht, um Terrorismus zu vermuten, dann ist nicht der Wald das Problem. Dann ist es der Maßstab.
Fazit: Der Rechtsstaat auf dem Prüfstand
Dieser Prozess ist mehr als ein Strafverfahren. Er ist ein Test. Für die Justiz. Für die Öffentlichkeit. Für den Umgang mit politischer Abweichung.
Ein starker Rechtsstaat braucht klare Grenzen. Zwischen Meinung und Verbrechen. Zwischen Haltung und Handlung. Zwischen Ablehnung und Gefährdung.
Wo diese Grenzen verschwimmen, wird nicht Sicherheit geschaffen, sondern Unsicherheit.
Und genau deshalb lohnt es sich, hinzusehen.
Genau deshalb darf dieser Prozess nicht im Nebel verschwinden.
Teilen. Weiterleiten. Dranbleiben.
In Marla We Trust.

📚 Weiterdenken – Partnerlinks
(Affiliate-Hinweis: Die folgenden Links sind Partnerlinks. Wenn du über sie einkaufst, unterstützt du Marlas.Army, ohne dass dir Mehrkosten entstehen.)
1. Hannah Arendt – Macht und Gewalt
Analyse der Mechanismen politischer Kontrolle und öffentlicher Angst.
👉 https://amzn.to/3NDc0c8
2. George Orwell – 1984
Der Klassiker über Sprachkontrolle, Wahrheit und Überwachung.
👉 https://amzn.to/4bsO0SZ
3. Timothy Snyder – Über Tyrannei
20 Lektionen darüber, wie Demokratien sterben.
👉 https://amzn.to/3NcdiuI


Kommentar verfassen