Heute ist der Tag 161 meines Exils.
Exil 161.
Neunzehnhunderteinundsechzig.
Das Jahr steht in Deutschland im Zeichen einer offenen Wunde des Kalten Krieges. Berlin ist Brennpunkt einer geteilten Welt, in der politische Systeme auf engstem Raum aufeinandertreffen. Die deutsche Frage bleibt ungelöst und wird zum Prüfstein internationaler Machtverhältnisse.
Im August beginnt der Bau der Berliner Mauer. Er ist Ergebnis jahrelanger Spannungen, massiver Abwanderung aus der DDR und wachsender Unsicherheit der dortigen Führung. Die Entscheidung entsteht nicht im luftleeren Raum, sondern im Zusammenspiel sowjetischer Sicherheitsinteressen, westlicher Bündnispolitik und der besonderen Lage Berlins.
Für die Bundesrepublik bedeutet das Jahr eine Zäsur. Die Hoffnung auf freie Beweglichkeit in der Stadt endet abrupt, Familien werden getrennt, Lebenswege abgeschnitten. Gleichzeitig festigt sich im Westen die Einbindung in NATO und westliche Wirtschaftsräume, während die Teilung zur politischen Realität wird.
International spitzt sich der Ost West Konflikt weiter zu. In Wien treffen Kennedy und Chruschtschow ohne greifbare Annäherung aufeinander. In Kuba und Südostasien zeichnen sich neue Konfliktlinien ab, die zeigen, wie global die Rivalität der Systeme geworden ist.
Der Mauerbau ist kein singulärer Akt deutscher Geschichte, sondern Teil einer weltweiten Konfrontation, in der Sicherheit, Ideologie und Macht miteinander ringen. Er entsteht aus Angst, Kalkül und dem Versagen gemeinsamer Lösungen. Die Folgen prägen Deutschland und Europa über Jahrzehnte.
Exil 161.
Ein Jahr, in dem Beton zu Politik wird und Geschichte dauerhaft Gestalt annimmt.
Exil-Chronik
Alle bisherigen (ab 130 – die vorherigen sind auf X/Twitter) und fortlaufenden Einträge meiner Exil-Chronik sind hier gesammelt dokumentiert:
👉 https://marlas.army/exil-chronik/


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