Heute ist der Tag 166 meines Exils.
Exil 166.
Neunzehnhundertsechsundsechzig.
In der Bundesrepublik verdichten sich 1966 wirtschaftliche und politische Spannungen. Nach Jahren des Wachstums rutscht das Land in eine Rezession, Arbeitslosigkeit wird sichtbar, Gewissheiten beginnen zu bröckeln. Die soziale Marktwirtschaft zeigt erstmals seit langem ihre verletzliche Seite.
Politisch reagiert Deutschland mit einer Zäsur. Die Große Koalition aus CDU CSU und SPD entsteht, getragen von dem Willen zur Stabilisierung, aber auch von der Einsicht begrenzter Alternativen. Machtteilung wird zur Notwendigkeit, nicht zum Ideal.
Gleichzeitig verschärfen sich gesellschaftliche Debatten. Fragen nach demokratischer Kontrolle, nach Notstandsbefugnissen und nach der Rolle der jungen Generation treten stärker hervor. Noch sind es Vorzeichen, aber sie verweisen auf kommende Konfliktlinien.
International steht Deutschland in einem sich wandelnden Bündnissystem. Frankreich zieht sich aus den militärischen Strukturen der NATO zurück, was die sicherheitspolitische Ordnung Europas neu austariert. Die Bundesrepublik bleibt eingebunden, aber muss ihre Rolle neu bestimmen.
Weltweit eskalieren 1966 mehrere Entwicklungen parallel. Der Krieg in Vietnam weitet sich aus, getragen von Blocklogik und geopolitischen Interessen. In China beginnt die Kulturrevolution, ein innerstaatlicher Machtkampf mit globaler Wirkung.
Dieses Jahr zeigt, wie eng innenpolitische Entscheidungen und weltweite Dynamiken miteinander verflochten sind. Exil 166.
Und so bleibt am Ende die stille Erkenntnis, dass Geschichte selten abrupt beginnt, sondern sich leise verdichtet.
Exil-Chronik
Alle bisherigen (ab 130 – die vorherigen sind auf X/Twitter) und fortlaufenden Einträge meiner Exil-Chronik sind hier gesammelt dokumentiert:
👉 https://marlas.army/exil-chronik/


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