Exil170 – Marlas Zeitreise

Sepia Collage Exil170 mit zentraler Porträtfigur, Szenen aus dem Jahr 1970 wie Moskauer Vertrag, Vietnamkrieg, Apollo 13 und integrierter Geburtsszene

Heute ist der Tag 170 meines Exils.
Exil 170.

Neunzehnhundertsiebzig.

Die Welt befindet sich im Spannungsfeld zwischen harter Blockkonfrontation und vorsichtiger diplomatischer Öffnung. Mit dem Moskauer Vertrag beginnen die Bundesrepublik Deutschland und die Sowjetunion einen Prozess der Entspannung, der aus den Erfahrungen zweier Weltkriege, aus der deutschen Teilung und aus der gefährlichen Logik nuklearer Abschreckung erwächst. Grenzen werden anerkannt, nicht aus Idealismus, sondern aus der Einsicht, dass Stabilität im geteilten Europa nur durch gegenseitige Absicherung entstehen kann.

In Warschau kniet Willy Brandt am Mahnmal des Ghettos. Diese Geste steht symbolisch für einen politischen Kurswechsel, der nicht isoliert geschieht, sondern eingebettet ist in strategische Überlegungen Washingtons, Moskaus und der europäischen Hauptstädte. Entspannung ist kein einseitiger Akt, sondern das Ergebnis wechselseitiger Interessen, ökonomischer Zwänge und der Erkenntnis, dass Konfrontation dauerhaft riskant bleibt.

Gleichzeitig weitet sich der Krieg in Indochina aus. Die Vereinigten Staaten greifen Ziele in Kambodscha an, um Versorgungsrouten zu unterbrechen, während Nordvietnam seine Position behauptet. Bündnissysteme, ideologische Gegensätze und regionale Machtfragen überlagern sich. Kriege entstehen aus langen Vorgeschichten, aus Fehlkalkulationen und aus Entscheidungen vieler Akteure.

Im Nahen Osten eskaliert der Schwarze September in Jordanien. Der Konflikt zwischen palästinensischen Organisationen und dem jordanischen Staat zeigt, wie ungelöste Fragen von Staatlichkeit, Vertreibung und regionaler Ordnung zu offenen Kämpfen führen können. Auch hier wirken internationale Interessen im Hintergrund mit.

Technologisch wird die Rettung von Apollo 13 zu einem weltweiten Ereignis. Der Wettlauf ins All bleibt Teil der Systemrivalität, doch zugleich zeigt sich, wie sehr wissenschaftliche Leistung und globale Aufmerksamkeit miteinander verflochten sind.

In diesem Jahr wird in Merseburg Marla Svenja Liebich geboren. Ein persönlicher Neubeginn inmitten weltpolitischer Spannungen und für viele ein Höhepunkt in der Geschichte der DDR, die sich im Gefüge des Ostblocks behauptet und zugleich um internationale Anerkennung ringt. Während Verträge geschlossen, Kriege geführt und Machtbalancen austariert werden, beginnt ein einzelnes Leben, eingebettet in die Strukturen eines geteilten Deutschlands und einer geteilten Welt.

Exil 170.
Und so steht am Beginn eines neuen Lebens ein Jahr, das zwischen Konfrontation und Annäherung seinen eigenen stillen Platz in der Geschichte sucht.

Exil 169

Exil 168

Exil 167


Exil-Chronik
Alle bisherigen (ab 130 – die vorherigen sind auf X/Twitter) und fortlaufenden Einträge meiner Exil-Chronik sind hier gesammelt dokumentiert:
👉 https://marlas.army/exil-chronik/

Marla Svenja Liebich ist Autorin und Herausgeberin von Marlas Army.
Auf Marlas Army veröffentlicht sie Analysen, Kommentare und persönliche Berichte zu gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen in Deutschland.

Teilen: X · Telegram · WhatsApp · Facebook

Kommentar verfassen