Merz will längere Arbeitszeiten – warum das die Falschen trifft

Die Debatte ist eröffnet: Friedrich Merz stellt das Arbeitszeitgesetz infrage. Weniger Regeln, mehr Flexibilität, längere Arbeitstage – so lautet die Erzählung. Doch wer genau hinsieht, erkennt schnell: Dieses Rezept trifft nicht die richtigen Stellen. Es trifft die Falschen.

Die schaffende Bevölkerung arbeitet längst am Limit

Außerhalb der Verwaltungen wird Wert geschaffen. In Werkhallen, auf Baustellen, in Schichtbetrieben, in Logistikzentren. Dort entstehen Produkte, Exporte, Steuereinnahmen. Dort wird geschwitzt, nicht simuliert. Diese Menschen sind Nettosteuerzahler, sie tragen das System – und sie arbeiten längst viel.

Die Behauptung, Deutschland leide an zu kurzen Arbeitszeiten, geht an der Realität vorbei. Das Problem ist nicht die Arbeitsmoral der Beschäftigten, sondern die Struktur, in der Arbeit organisiert wird.

Mehr Stunden sind kein Produktivitätskonzept

Produktivität wächst nicht linear mit Zeit. Sie wächst mit:

  • funktionierenden Prozessen,
  • moderner Technik,
  • verlässlicher Infrastruktur,
  • bezahlbarer Energie,
  • und einem Staat, der Dinge ermöglicht statt blockiert.

Wer an der täglichen Höchstarbeitszeit dreht, verlängert Spitzen, drückt Erholungsphasen zusammen und verschiebt Belastung nach unten. Das Ergebnis ist nicht Innovation, sondern Erschöpfung. Nicht Wachstum, sondern höhere Krankheitsquoten. Nicht Stärke, sondern schleichende Schwächung.

Die eigentlichen Bremsklötze bleiben unangetastet

Deutschland lahmt an anderer Stelle:

  • überbordende Verwaltung,
  • endlose Genehmigungen,
  • regulatorische Kleinteiligkeit,
  • politische Fehlentscheidungen der letzten Jahre.

Statt diese Bremsen zu lösen, greift man zur einfachsten Stellschraube: den Menschen. Dann arbeitet eben länger. Das ist bequem – und es ist ein Eingeständnis politischer Ideenlosigkeit.

Konsequenz statt Symbolpolitik

Positiv ist: Bei der Erbschaftsteuer zeigt die Regierung Zurückhaltung und will Unternehmen nicht zusätzlich verunsichern. Genau diese Logik muss auch für Arbeit gelten. Menschen sind kein Ausgleichsposten für verfehlte Politik. Wer Substanz erhalten will, darf sie nicht auspressen.

Fazit

Die Frage lautet nicht, wie lange die Deutschen arbeiten sollen. Die Frage lautet, warum Arbeit hierzulande immer schwerer wird, obwohl sie effizienter sein könnte. Wer darauf keine Antwort hat, sollte nicht an der Arbeitszeit drehen.

Mehr Stunden sind kein Fortschritt.
Sie sind ein Symptom.
Und genau darauf weist diese Debatte hin.

Marla’s Army – für Klartext statt Ausreden.



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Marla Svenja Liebich ist Autorin und Herausgeberin von Marlas Army.
Auf Marlas Army veröffentlicht sie Analysen, Kommentare und persönliche Berichte zu gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen in Deutschland.
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