Ich war Flüchtlingshelferin – und selbst die „Seebrücke“ wollte uns nicht dabeihaben

Es gibt Dinge, die passen den Leuten heute nicht mehr ins Bild.
Und genau deshalb sage ich es so deutlich, wie es ist:

Ich war 2016/2017 aktiv Flüchtlingshelferin.

Nicht als Symbol.
Nicht als „wir posten mal ein Herzchen und fühlen uns gut“.
Sondern richtig. Auf der Straße. Mit echten Aufgaben. Mit echten Leuten. Mit echter Arbeit.

Und ich habe in dieser Zeit etwas erlebt, das bis heute zeigt, wie verlogen ein großer Teil dieser sogenannten „Willkommensbewegung“ tatsächlich war.

Wir haben es ernst gemeint – und genau das war das Problem

Damals habe ich mir ein paar Leute zusammengesammelt.
Wir wollten helfen. Wirklich helfen.
Wir wollten nicht nur irgendwas „begleiten“ oder „bewusst machen“.

Wir wollten diese Arbeit aktiv unterstützen – und zwar ohne große Bühne, ohne Selbstinszenierung, ohne staatliche Fördergelder.

Denn genau da lag der Unterschied:

Die großen Vereine, die Seebrücke-Leute, die ganzen Initiativen – die haben das nicht ernst gemeint.
Denen ging es nicht um die Menschen.

Denen ging es um die Fördertöpfe.
Um Zuschüsse.
Um staatliche Kohle.
Um den richtigen Platz in der NGO-Kette.

Und ich habe damals sehr schnell verstanden:
Wenn du es ernst meinst, wirst du gefährlich.

Nicht für „die Rechten“.
Sondern für die eigene Szene.

Ehrenamt? Für uns ja. Für die anderen: nur wenn’s bezahlt wird.

Unsere Arbeit war ehrenamtlich.
Wir haben das gemacht, weil wir überzeugt waren, dass es richtig ist.

Und genau deshalb waren wir denen ein Dorn im Auge.

Weil wir ihnen ihre Maske runtergerissen haben, ohne es überhaupt zu wollen.

Denn wenn da plötzlich Leute sind, die wirklich etwas tun – dann fällt auf, wie viel bei den anderen nur Show ist.

Sie wollten nicht mit uns demonstrieren – also mussten wir unsere eigene Demo machen

Wir wollten sogar gemeinsam demonstrieren.
Wir wollten uns anschließen, mitlaufen, das Thema groß machen.

Aber sie wollten das nicht.

Sie wollten uns nicht in ihren Reihen.

Und deshalb blieb uns nur eine Lösung:
Wir mussten unsere eigene Demo in der Stadt machen.

Und an diese Demo kann ich mich bis heute erinnern.

Die organisierte Seebrücke-Demo war größer – und über uns wurde nicht berichtet

Die Seebrücke-Demo war größer, ja.

Vielleicht 150 Leute. Vielleicht 200.
Die hatten Strukturen, Kontakte, ihre Pressewege.

Und über die wurde dann auch berichtet – auf Dubis Halle, dieser regionalen Seite aus Halle.

Über uns? Nichts.

Kein Foto.
Kein Satz.
Keine Erwähnung.

Als hätten wir nie existiert.

Und dann kam der Moment, der mich bis heute trifft

Als der Facebook-Beitrag über die Seebrücke-Demo online ging, passierte etwas Interessantes.

In den Kommentaren schrieben Leute sinngemäß:

„Ja, ich hab die gesehen… die waren völlig irre, was die alles gefordert haben.“

Nur – sie meinten nicht die Seebrücke.

Sie meinten uns.

Weil wir konsequenter waren.
Weil wir härtere Forderungen gestellt haben.
Weil wir nicht diese weichgespülte NGO-Sprache genutzt haben, sondern Klartext.

Und genau deshalb wurden wir abgestempelt.

Nicht als engagiert.
Nicht als ernsthaft.
Sondern als „zu viel“.

Wenn du zu konsequent bist, wirst du aus der eigenen Szene aussortiert

Das ist etwas, was ich bis heute nicht vergessen habe.

Denn es war einer dieser Momente, wo ich verstanden habe, wie dieses Spiel wirklich funktioniert:

Du darfst „für Flüchtlinge“ sein – aber bitte nur so, dass es niemandem weh tut.
Du darfst „Haltung“ zeigen – aber nur innerhalb des genehmigten Meinungskorridors.
Du darfst helfen – aber bitte so, dass Fördermittel und Presseaufmerksamkeit in den richtigen Händen bleiben.

Wenn du wirklich etwas willst, bist du nicht mehr willkommen.

Es macht mich bis heute traurig

Ich sage das nicht, weil ich irgendwem gefallen will.
Und ich sage das nicht, um alte Geschichten auszupacken, die keiner hören will.

Ich sage es, weil es wahr ist.

Es macht mich bis heute traurig, dass man uns damals nicht ernst genommen hat.
Dass man uns ignoriert hat.
Dass man lieber über die großen, sauberen, geförderten Strukturen berichtet hat – und nicht über die, die es wirklich ernst meinten.

Und es ist einer der Gründe, warum ich vieles heute anders sehe als damals.

Nicht weil ich „umgekippt“ bin.
Sondern weil ich gelernt habe, wie dieses System in echt funktioniert.



📚 Weiterdenken – Partnerlinks

(Affiliate-Hinweis: Die folgenden Links sind Partnerlinks. Wenn du über sie einkaufst, unterstützt du Marlas.Army, ohne dass dir Mehrkosten entstehen.)

1. Hannah Arendt – Macht und Gewalt
Analyse der Mechanismen politischer Kontrolle und öffentlicher Angst.
👉 https://amzn.to/3NDc0c8

2. George Orwell – 1984
Der Klassiker über Sprachkontrolle, Wahrheit und Überwachung.
👉 https://amzn.to/4bsO0SZ

3. Timothy Snyder – Über Tyrannei
20 Lektionen darüber, wie Demokratien sterben.
👉 https://amzn.to/3NcdiuI

Marla Svenja Liebich ist Autorin und Herausgeberin von Marlas Army.
Auf Marlas Army veröffentlicht sie Analysen, Kommentare und persönliche Berichte zu gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen in Deutschland.
Teilen: X · Telegram · WhatsApp · Facebook

2 Antworten zu „Ich war Flüchtlingshelferin – und selbst die „Seebrücke“ wollte uns nicht dabeihaben“

  1. Ich kann einfach nur immer wieder den Hut vor dir ziehen 🫶👏

    1. Ja, Flüchtlingshilfe hielt ich für menschlich 🙂

Kommentar verfassen