Exil148 – Marlas Zeitreise

Heute ist der Tag 148 meines Exils.
Exil 148.

Neunzehnhundertachtundvierzig steht im Zeichen der Neuordnung nach dem globalen Krieg. Alte Machtzentren sind erschöpft, neue Ordnungen entstehen unter Zeitdruck. Die Welt sucht Stabilität, doch sie findet sie nur bruchstückhaft. Entscheidungen werden getroffen, weil sie als notwendig erscheinen, nicht weil sie ausgereift sind.

In Europa verfestigt sich die Teilung. Unterschiedliche Wirtschaftsmodelle und Sicherheitsinteressen stehen sich gegenüber. Bündnisse werden nicht aus Ideologie geboren, sondern aus Furcht vor Kontrollverlust. Der Wiederaufbau ist ungleich verteilt, Abhängigkeiten wachsen, und Vertrauen bleibt knapp. Diplomatie arbeitet unter dem Gewicht ungelöster Vorkriegsfragen.

Im Nahen Osten kulminieren lange Vorgeschichten. Das Ende kolonialer Mandate trifft auf konkurrierende nationale Ansprüche. Internationale Beschlüsse schaffen neue Realitäten, ohne alle Folgen abzufedern. Gewalt entsteht nicht aus einem einzelnen Entschluss, sondern aus überlagerten Versäumnissen, Hoffnungen und Ängsten mehrerer Seiten.

Weltweit beschleunigt sich die Blockbildung. Sicherheit wird über Abschreckung definiert, Einfluss über Reichweite. Der Gedanke gemeinsamer Verantwortung bleibt schwächer als nationale Interessen. Neunzehnhundertachtundvierzig zeigt, wie Frieden gesucht wird, während neue Konfliktlinien bereits gezogen sind.

Exil 148.

1948 ist ein Jahr der Entscheidungen unter Druck.
Nachkriegsordnung und neue Konflikte entstehen gleichzeitig.
Stabilität bleibt ein Versprechen, kein Zustand.

Exil 147

Exil 146

Exil 145


Exil-Chronik
Alle bisherigen (ab 130 – die vorherigen sind auf X/Twitter) und fortlaufenden Einträge meiner Exil-Chronik sind hier gesammelt dokumentiert:
👉 https://marlas.army/exil-chronik/

Marla Svenja Liebich ist Autorin und Herausgeberin von Marlas Army.
Auf Marlas Army veröffentlicht sie Analysen, Kommentare und persönliche Berichte zu gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen in Deutschland.

Teilen: X · Telegram · WhatsApp · Facebook

Kommentar verfassen