Bundes.Wehr.Bung. – Drei Worte, kein Satz

Oder: Wie man 2015 schon aussprach, was heute Staatsräson ist

„Wir.Dienen.Deutschland.“

Das ist kein Satz.
Das ist keine Aussage.
Das sind drei durch Punkte getrennte Worte.

Und genau das war der Test.

Ein ergänzendes, gesondert veröffentlichtes Videostatement dokumentiert die damalige Aktion im öffentlichen Raum und ordnet sie aus heutiger Perspektive politisch und sprachlich ein.

Wer dumm genug ist, daraus automatisch „Wir dienen Deutschland!“ zu lesen, ist vermutlich auch dumm genug, sich für fremde Interessen verheizen zu lassen.
Hartzer zu Kanonenfutter.

Ich weiß noch genau, wann das war.
2014 oder 2015.
Citylauf in Halle.

Die Bundeswehr hatte dort einen Rekrutierungsstand aufgebaut. Feldjäger, Waffengattungen, Hochglanzbroschüren. „Karriere“, „Sicherheit“, „Arbeitgeber“.

Und ich habe mich einfach dazugestellt.
So, als würde ich dazugehören.

Nicht verkleidet.
Nicht parodistisch im Clownskostüm.
Sondern exakt so, dass es für Außenstehende völlig echt aussah.

Und genau darin lag der Witz.

Der doppelte Boden

Die Soldaten waren nicht amüsiert.
Sie wussten auch nicht so recht, wie sie mich loswerden sollten.

Zwei von ihnen marschierten schließlich zur nahe stehenden Polizeistreife.
Beratung holen.

Die Polizei winkte ab.

„Da können wir nichts machen.
Das ist die Marla Svenja.
Die macht einfach solche Aktionen.
Kunstfreiheit und so.
Die wird schon wieder gehen.“

Und genau das war der Punkt.

Ich stand dort.
Ich gehörte dazu – zumindest für alle, die vorbeigingen.

Und diese Menschen gingen später nach Hause und erzählten:

„Beim Citylauf war die Bundeswehr.
Die haben da Sachen gesagt …
Also so richtig krass.
Von Kanonenfutter, von Verheizen, von Nutzen.“

Nicht ich hatte das gesagt.
Das System hatte es gesagt – durch mich.

Damals Sarkasmus. Heute Realität.

Damals dachte ich, ich sei extrem sarkastisch.
Überzogen.
Grenzwertig.

Heute – zehn, elf Jahre später – sehen wir:

Es war nicht sarkastisch genug.

Heute erzählen sie uns ganz offen,
dass die Rüstungsindustrie ein Segen für Deutschland sei.
Weil sie Arbeitsplätze schafft.
Weil sie Konjunktur bringt.
Weil sie Wachstum erzeugt.

Das ist kein Zynismus mehr.
Das ist offizielle Politik.

Die große Lüge von den „Arbeitsplätzen“

Die Rüstungsindustrie schafft keine Werte.

Sie wird vollumfänglich vom Nettosteuerzahler finanziert.

Der Staat bezahlt die Rüstungsaufträge.
Der Staat nimmt dafür Steuergeld.
Der Staat erklärt anschließend, er habe Arbeitsplätze geschaffen.

Das ist kein Markt.
Das ist ein Kreislauf.

Jeder Arbeitsplatz in der Rüstungsindustrie ist faktisch ein staatlich finanzierter Posten.
Nicht anders als ein Beamtengehalt – nur mit höherem Zerstörungspotenzial.

Es wird nichts produziert, was nicht vorher bezahlt wurde.
Es wird nichts geschaffen, was nicht vorher eingezogen wurde.

Und trotzdem verkauft man es als wirtschaftlichen Erfolg.

Kanonenfutter mit Karriereperspektive

Damals, beim Citylauf, wurde noch gelächelt.
Rekrutierung als freundliches Angebot.
„Arbeit finden bei der Bundeswehr.“

Heute spricht man offen darüber,
dass wir Menschen brauchen.
Dass wir Opfer brauchen.
Dass jemand „dienen“ muss.

Nicht dem Frieden.
Nicht der Bevölkerung.
Sondern der Industrie.
Der Geopolitik.
Den Interessen anderer.

Und plötzlich ist das, was ich damals „Kunst“ nannte,
nur noch ein früher Probelauf der Realität.

Drei Worte. Kein Satz. Eine Warnung.

Bundes.
Wehr.
Bung.

Wir.
Dienen.
Deutschland.

Wer daraus automatisch Sinn macht,
macht auch aus Unsinn Pflicht.
Aus Zwang Ehre.
Aus Verheizen Verantwortung.

Damals stand ich einfach da.
Heute stehen wir alle davor.

Und diesmal ist es kein Kunstprojekt mehr.


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Marla Svenja Liebich ist Autorin und Herausgeberin von Marlas Army.
Auf Marlas Army veröffentlicht sie Analysen, Kommentare und persönliche Berichte zu gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen in Deutschland.
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