Jeder kennt die Titanic.
Fast niemand kennt die Wilhelm Gustloff.
Dabei starben auf ihr fünf- bis sechsmal so viele Menschen wie beim berühmtesten Schiffsunglück der Welt.
Nicht durch einen Eisberg.
Sondern durch Torpedos.
Was im Winter 1945 in der Ostsee geschah, war kein „Unglück“.
Es war ein Massentod.
Und er ist bis heute aus dem kollektiven Gedächtnis verdrängt.
A separately veröffentlichtes Videostatement dokumentiert die historischen Abläufe rund um den Untergang der Wilhelm Gustloff und ergänzt die textliche Darstellung.
Wenn Erinnerung selektiv wird
Fragt man Menschen nach der größten Schiffskatastrophe der Geschichte, kommt fast immer dieselbe Antwort: Titanic.
1.500 Tote.
Hollywood.
Orchester.
Eisberg.
Doch am 30. Januar 1945 sank in der Ostsee ein Schiff, auf dem zwischen 7.500 und 9.300 Menschen starben – innerhalb weniger als einer Stunde.
Frauen.
Kinder.
Flüchtlinge.
Verwundete.
Die Wilhelm Gustloff ist bis heute der verlustreichste Schiffsuntergang der Geschichte.
Und trotzdem kennt ihn kaum jemand.
Why?
Weil Erinnerung nicht neutral ist.
Weil Bilder entscheiden.
Weil Sieger schreiben – und Verlierer schweigen sollen.
Winter 1945: Die Ostsee als letzte Fluchtroute
Anfang 1945 bricht die Ostfront zusammen.
Ostpreußen, Westpreußen, Pommern – ganze Landstriche geraten in Panik.
Hunderttausende Zivilisten versuchen zu fliehen.
Der Landweg ist abgeschnitten.
Die einzige Hoffnung: die Ostsee.
Die deutsche Kriegsmarine startet eine Evakuierung, wie es sie zuvor nie gegeben hat.
Kurzfristig.
Chaotisch.
Mit völlig überfüllten Schiffen.
Es ist Winter.
Minus zwanzig Grad.
Eis auf dem Wasser.
Eis auf den Decks.
Was als Rettung gedacht ist, wird zur Todesfalle.
Drei Schiffe – über 20.000 Tote
Drei Namen stehen für das Ausmaß dieser Katastrophe:
Wilhelm Gustloff – versenkt am 30. Januar 1945
Steuben – versenkt am 10. Februar 1945
Goya – versenkt am 16. April 1945
Allein auf diesen drei Schiffen starben über 20.000 Menschen.
Mehr als im gesamten Ersten Weltkrieg auf See.
Wilhelm Gustloff
Über 10.000 Menschen an Bord.
Mehr als 8.000 davon Flüchtlinge.
Darunter tausende Kinder.
Mehrere Babys werden während der Fahrt geboren.
Dann treffen drei sowjetische Torpedos das Schiff.
Nachts.
Bei klirrender Kälte.
Wer nicht sofort stirbt, landet im Wasser.
Bei minus zwanzig Grad.
Die meisten erfrieren innerhalb weniger Minuten.
Steuben
Ein Verwundetentransportschiff.
Schwerverletzte.
Amputierte.
Bewusstlose.
Als die Torpedos einschlagen, laufen noch Notoperationen.
Viele Verwundete sind auf ihren Betten festgeschnallt – gegen den Seegang.
Das Schiff sinkt in weniger als 30 Minuten.
Über 3.600 Tote.
Goya
Kein Passagierschiff.
Ein einfacher Erzfrachter.
Über 7.000 Menschen sind im Frachtraum zusammengepfercht.
Menschen, die glauben, sie hätten es geschafft.
Nach der Versenkung überleben nur 176.
Taucher berichten später, der Frachtraum habe ausgesehen,
als hätte das Schiff „nur Knochen und Kinderwagen“ transportiert.
Mehr zivile Tote als bei allen anderen Kriegsparteien
In den letzten Kriegsmonaten sterben auf der Ostsee mehr zivile deutsche Seekriegstote als bei allen anderen kriegsführenden Nationen in Europa zusammen.
Die Mehrheit: Frauen und Kinder.
Why?
Weil vielen Männern die Flucht verboten war.
Sie sollten noch kämpfen.
Oder im Volkssturm sterben.
Was bleibt, sind Verlustlisten mit Einträgen wie:
„Kind“.
Ohne Namen.
Ohne Alter.
Unsichtbare Gräber, vergessene Tote
Während es an Land riesige Soldatenfriedhöfe gibt, liegen diese Toten auf dem Meeresgrund.
Unsichtbar.
Quiet.
Vergessen.
Die Wracks gelten als Seekriegsgräber.
Geschützte Ruhestätten.
Doch sie werden geplündert.
Von Schatzsuchern.
Souvenirjägern.
Hobbytauchern.
Knochen werden bewegt.
Gegenstände mitgenommen.
Die Totenruhe gestört.
Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge versucht, diese Wracks zu erfassen und zu schützen.
Fall für Fall.
Schicksal für Schicksal.
Denn nicht jedes Wrack ist ein Grab.
Und nicht jeder Tote ein Seekriegstoter.
Aber jeder Mensch war ein Mensch.
Warum wir darüber reden müssen
Dieser Text ist kein Versuch, Geschichte umzudeuten.
Er ist kein Relativieren von Schuld.
Und keine Täter-Opfer-Umkehr.
Er ist ein Einspruch gegen das Vergessen.
Krieg endet nicht mit Kapitulationen.
Er endet in Massengräbern.
Manche liegen an Land.
Manche unter Wasser.
Und beide verpflichten uns, hinzusehen.
Die Titanic ist ein Mythos.
Die Gustloff ist Realität.
Und genau deshalb ist sie bis heute so unbequem.
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Sprich darüber.
Erinnerung lebt nur, wenn man sie verteidigt.
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