Heute ist der Tag 168 meines Exils.
Exil 168.
Neunzehnhundertachtundsechzig.
Dieses Jahr steht weltweit für Aufbruch und Erschütterung zugleich. In den Vereinigten Staaten eskaliert der Vietnamkrieg weiter, während Proteste gegen Krieg und soziale Ungleichheit zunehmen. In Paris gehen Studierende und Arbeiter gemeinsam auf die Straße, in Prag versucht eine reformorientierte Führung einen eigenen sozialistischen Weg, der schließlich durch sowjetische Panzer gestoppt wird. Die Blockkonfrontation bleibt der ordnende Rahmen, doch innerhalb dieser Ordnung wachsen Spannungen.
In der Bundesrepublik Deutschland prägen Studentenbewegung und Notstandsgesetze das politische Klima. Eine junge Generation stellt Fragen nach Verantwortung, Autorität und der unaufgearbeiteten Vergangenheit. Die Große Koalition regiert mit stabiler Mehrheit, doch auf den Straßen formiert sich außerparlamentarischer Protest. Die Auseinandersetzungen verlaufen heftig, gespeist aus internationalen Einflüssen und innerdeutschen Konfliktlinien.
Auch in der DDR bleibt das Jahr nicht folgenlos. Der Einmarsch in die Tschechoslowakei zeigt die Grenzen des Reformwillens im Ostblock. Die deutsche Teilung erscheint erneut als Bestandteil eines größeren Systems gegenseitiger Machtabsicherung. Sicherheitspolitische Interessen, ideologische Bindungen und die Furcht vor Kontrollverlust wirken stärker als Reformideen.
Kriege und Krisen haben viele Väter. Globale Rivalität, nationale Interessen und gesellschaftliche Umbrüche greifen ineinander. Neunzehnhundertachtundsechzig ist kein isoliertes deutsches Jahr, sondern Teil einer weltweiten Bewegung, deren Folgen noch lange nachwirken.
Exil 168.
1968 ist ein Jahr des Protests und der Machtblöcke. Deutschland steht im Spannungsfeld zwischen Reformwillen und Systemgrenzen. Weltpolitik und Generationenkonflikt greifen ineinander.
Exil-Chronik
Alle bisherigen (ab 130 – die vorherigen sind auf X/Twitter) und fortlaufenden Einträge meiner Exil-Chronik sind hier gesammelt dokumentiert:
👉 https://marlas.army/exil-chronik/


Kommentar verfassen