Heute ist der Tag 171 meines Exils.
Exil 171.
Neunzehnhunderteinundsiebzig.
Deutschland lebt weiter in der doppelten Realität von Ost und West. In Bonn wird die neue Ostpolitik vertieft, während in Ost Berlin die internationale Anerkennung der DDR vorangetrieben wird. Das Viermächteabkommen über Berlin entsteht aus jahrelangen Spannungen und dem gemeinsamen Interesse, die Stadt nicht erneut zum Brennpunkt einer Eskalation werden zu lassen.
Zwischen Washington und Moskau beginnen konkrete Schritte zur Rüstungsbegrenzung. Die Gespräche über strategische Waffen zeigen, dass Abschreckung und Dialog nebeneinander existieren können. Gleichzeitig bleibt das atomare Gleichgewicht fragil, getragen von Misstrauen, Sicherheitsdenken und globalem Einflussstreben.
International verschiebt sich das Machtgefüge sichtbar. Die Volksrepublik China erhält ihren Sitz in den Vereinten Nationen und verändert damit die diplomatische Architektur der Welt. In Südasien führt der Konflikt zwischen Indien und Pakistan zur Entstehung Bangladeschs, ein Krieg, der aus kolonialen Grenzziehungen, innerstaatlichen Spannungen und regionalen Machtinteressen hervorgeht.
Auch in Europa wirken die Nachkriegsordnungen fort. Großbritannien entscheidet sich per Referendum für den Weg nach Europa, während auf Zypern und im Nahen Osten ungelöste Fragen weiter schwelen. Kriege und Krisen dieses Jahres haben viele Ursachen und viele Akteure, sie entstehen aus Geschichte, Angst und strategischem Kalkül.
Neunzehnhunderteinundsiebzig ist kein Jahr des großen Knalls, sondern ein Jahr der langsamen Verschiebungen.
Exil 171.
Zwischen Konfrontation und Annäherung beginnt sich die Welt neu auszurichten.
Exil-Chronik
Alle bisherigen (ab 130 – die vorherigen sind auf X/Twitter) und fortlaufenden Einträge meiner Exil-Chronik sind hier gesammelt dokumentiert:
👉 https://marlas.army/exil-chronik/


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