Heute ist der Tag 173 meines Exils.
Exil 173.
Neunzehnhundertdreiundsiebzig.
In Deutschland steht das Jahr im Zeichen der geregelten Annäherung zwischen Bundesrepublik und Deutscher Demokratischer Republik. Der Grundlagenvertrag schafft eine neue Form des Miteinanders, ohne die Gegensätze aufzuheben. Mit dem Beitritt beider deutscher Staaten zu den Vereinten Nationen wird die deutsche Frage in einen internationalen Rahmen eingebettet.
Europa bleibt zugleich Teil der globalen Systemkonkurrenz. Zwischen Washington und Moskau setzt sich die Phase der Entspannung fort, getragen vom beiderseitigen Interesse an Stabilität. Sicherheit entsteht hier weniger aus Vertrauen als aus dem Bewusstsein gegenseitiger Verwundbarkeit.
International verändert der Jom Kippur Krieg im Nahen Osten das Kräfteverhältnis. Die darauf folgende Ölkrise führt den industrialisierten Staaten ihre Abhängigkeit von Energieimporten vor Augen. Auch die Bundesrepublik spürt die wirtschaftlichen Folgen und erkennt, dass politisches Handeln weit über nationale Grenzen hinausreicht.
Krisen entstehen selten aus einer einzigen Ursache. Strategische Interessen, historische Erfahrungen, wirtschaftliche Abhängigkeiten und sicherheitspolitische Überlegungen greifen ineinander. Neunzehnhundertdreiundsiebzig wird so zu einem Jahr, das Dialog und Erschütterung zugleich sichtbar macht.
Exil 173.
Die Geschichte atmet weiter im Schatten der Entscheidungen dieses Jahres.
Exil-Chronik
Alle bisherigen (ab 130 – die vorherigen sind auf X/Twitter) und fortlaufenden Einträge meiner Exil-Chronik sind hier gesammelt dokumentiert:
👉 https://marlas.army/exil-chronik/


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