Heute ist der Tag 178 meines Exils.
Exil 178.
Neunzehnhundertachtundsiebzig.
Das Jahr 1978 steht im Zeichen eines fragilen Gleichgewichts zwischen den Machtblöcken. Die Entspannungspolitik wirkt noch nach, doch das Vertrauen bleibt begrenzt. In Europa stabilisieren sich die Frontlinien des Kalten Krieges, während in vielen Regionen der Welt neue Konflikte entstehen.
In der Bundesrepublik Deutschland prägen wirtschaftliche Konsolidierung und sicherheitspolitische Debatten das Bild. Der Terror der vorangegangenen Jahre wirkt nach, der Staat baut seine Schutzmechanismen aus. Außenpolitisch setzt Bonn weiter auf Einbindung in NATO und Europäische Gemeinschaft und hält zugleich am Dialog mit dem Osten fest.
In der DDR bemüht sich die Führung um internationale Anerkennung und wirtschaftliche Stabilität. Die Abhängigkeit von sowjetischen Rohstoffen und Krediten bleibt bestehen. Innenpolitisch wird Kontrolle aufrechterhalten, während zugleich versucht wird, über begrenzte kulturelle Öffnungen Handlungsfähigkeit zu demonstrieren.
Weltweit verschieben sich Gewichte. In Italien erschüttert die Ermordung Aldo Moros das politische System. Im Nahen Osten führen die Gespräche zwischen Ägypten und Israel zu den Camp David Vereinbarungen, ein Versuch, jahrzehntelange Konfrontation diplomatisch zu überwinden. In Asien und Afrika bleiben zahlreiche Stellvertreterkonflikte Ausdruck globaler Rivalität, genährt durch Ideologie, Sicherheitsinteressen und historische Brüche.
Kriege und Krisen entstehen nicht aus einem einzelnen Entschluss, sondern aus langen Ketten gegenseitiger Wahrnehmungen, Ängste und Machtansprüche. Auch 1978 zeigt, wie sehr Stabilität vom Zusammenspiel vieler Akteure abhängt.
Exil 178.
Die Welt verharrt zwischen Hoffnung auf Verständigung und der beständigen Vorsicht der Machtblöcke.
Exil-Chronik
Alle bisherigen (ab 130 – die vorherigen sind auf X/Twitter) und fortlaufenden Einträge meiner Exil-Chronik sind hier gesammelt dokumentiert:
👉 https://marlas.army/exil-chronik/


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