Heute ist der Tag 162 meines Exils.
Exil 162.
Neunzehnhundertzweiundsechzig
Das Jahr ist geprägt von der Realität einer dauerhaft geteilten deutschen Nation. In Westdeutschland verbinden sich wirtschaftliche Stärke, sicherheitspolitische Abhängigkeiten und innenpolitische Konflikte zu einem Spannungsfeld, das durch die Spiegel Affäre sichtbar wird. In Ostdeutschland wird nach dem Mauerbau die politische Kontrolle weiter verdichtet, um Abwanderung zu verhindern und Stabilität zu erzwingen.
Beide deutschen Staaten handeln nicht aus freiem Spielraum heraus, sondern als Teil gegensätzlicher Bündnissysteme. Die deutsche Frage bleibt eingebettet in strategische Interessen der Großmächte. Entscheidungen in Bonn und Ost Berlin sind eng mit der Logik des Kalten Krieges verknüpft, in dem Sicherheit Vorrang vor Offenheit erhält.
International erreicht die Blockkonfrontation einen gefährlichen Höhepunkt. Die Kubakrise zeigt, wie schnell politische Machtpolitik in existentielle Bedrohung umschlagen kann. Gleichzeitig vertiefen sich Brüche innerhalb des sozialistischen Lagers, während neue Staaten nach der Entkolonialisierung um Eigenständigkeit ringen.
Auch abseits der Supermächte eskalieren Konflikte. Algeriens Unabhängigkeit beendet einen langen Krieg, in Asien führt der Grenzkonflikt zwischen China und Indien zu offenen Kämpfen. Die Welt des Jahres ist geprägt von Umbrüchen, die nicht isoliert entstehen, sondern sich gegenseitig verstärken.
Neunzehnhundertzweiundsechzig zeigt, wie politische Entscheidungen in angespannten Systemen getroffen werden und ihre Wirkung weit über den Moment hinaus entfalten.
Exil 162.
Geschichte bewegt sich leise weiter, getragen von Entscheidungen, deren Folgen oft erst später sichtbar werden.
Exil-Chronik
Alle bisherigen (ab 130 – die vorherigen sind auf X/Twitter) und fortlaufenden Einträge meiner Exil-Chronik sind hier gesammelt dokumentiert:
👉 https://marlas.army/exil-chronik/


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