Ramadan an Grundschulen: Wenn Kinder verzichten – und andere sich nicht mehr trauen zu essen

Person mit Hut und Brille vor durchgestrichenem Frühstücksteller und Wasserglas mit der Schlagzeile „Zwangshungern“

Der Ramadan hat begonnen.

Für gläubige Muslime ist er eine Zeit der Besinnung, des Gebets und des Verzichts.

Aber was aktuell aus manchen Schulen berichtet wird, hat mit freiwilliger Spiritualität wenig zu tun –
und viel mit sozialem Druck.

Denn betroffen sind nicht Erwachsene.

Sondern Grundschüler.

Achtjährige.
Drittklässler.
Kinder im Wachstum.


Kinder sind vom Fasten ausdrücklich ausgenommen

Im Islam beginnt die religiöse Verpflichtung zum Fasten erst mit der Pubertät.

Kinder sollen nicht fasten müssen.

Und trotzdem häufen sich Berichte aus Schulen, dass selbst achtjährige Schüler tagsüber nichts essen und nichts trinken.

Lehrer schildern:

Kopfschmerzen.
Bauchschmerzen.
Schwindel.
Müdigkeit.
Konzentrationsprobleme.

Turnunterricht funktioniert kaum noch.
Frontalunterricht wird zur Belastung.

Es geht hier nicht um Symbolpolitik.

Es geht um Leistungsfähigkeit, Gesundheit und Kindeswohl.


„Es regiert der Gruppenzwang“

Besonders brisant ist die Dynamik unter den Schülern selbst.

Wer sein Pausenbrot auspackt, wird schief angesehen.
Teilweise ausgelacht.
Teilweise offen ermahnt.

Ein Junge packt sein Frühstück aus –
am nächsten Tag fastet er mit.

Nicht aus religiöser Überzeugung.

Sondern weil er nicht ausgegrenzt werden will.

Das ist kein Glaubensakt.

Das ist Gruppenzwang.


Auch einheimische Kinder verzichten inzwischen

Noch alarmierender ist eine zweite Entwicklung:

Selbst nicht-muslimische, einheimische Kinder trauen sich zunehmend nicht mehr, offen zu frühstücken.

Sie essen heimlich.
Oder verzichten ganz.

Weil sie niemanden „provozieren“ wollen.
Weil sie spüren, dass Essen plötzlich sensibel geworden ist.

Wenn in einer staatlichen Schule das Frühstücken zum sozialen Risiko wird, dann stimmt etwas nicht mehr.

Eine religiöse Praxis darf nicht faktisch zur Norm für alle werden.


Wenn Lehrer „religiöse Rücksicht“ einfordern

Nach Berichten bleibt der Druck nicht immer nur unter Schülern.

Teilweise wird auch von pädagogischer Seite „religiöse Rücksichtnahme“ eingefordert.

Essenszeiten werden verschoben.
Im Klassenraum soll möglichst nicht gegessen werden.
Man wolle fastende Kinder „nicht in Versuchung führen“.

Gut gemeint.

Aber problematisch.

Denn das Signal ist eindeutig:

Wer isst, verhält sich unsolidarisch.

Und damit wird eine freiwillige religiöse Praxis indirekt zum Maßstab für das Verhalten aller.

Schule ist jedoch kein religiöser Schutzraum.

Sie ist ein staatlicher Raum.


Was beim Begriff „Fasten“ oft unterschlagen wird

Streng genommen handelt es sich beim Ramadan nicht um ein dauerhaftes Fasten im klassischen Sinn.

Es ist ein Tagesfasten.

Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang wird auf Essen und Trinken verzichtet.

Nach Einbruch der Dunkelheit jedoch wird das Fasten gebrochen – häufig mit üppigen, festlichen Mahlzeiten im Familienkreis.

In vielen Haushalten haben die Abendstunden im Ramadan einen ausgeprägten kulinarischen Charakter.
Nicht selten wird insgesamt reichhaltiger gegessen als in anderen Monaten des Jahres.

Es geht also nicht um dauerhafte Nahrungsreduktion oder langfristige Askese.

Es geht um zeitlich begrenzten Verzicht am Tag – mit bewusster Kompensation am Abend.

Für Erwachsene ist das eine persönliche Entscheidung.

Für Kinder bedeutet es:

Ein kompletter Schultag ohne Flüssigkeit.
Ohne Energiezufuhr.
Ohne Konzentrationsgrundlage.

Und das in einer Lebensphase, in der Körper und Gehirn wachsen.


Religionsfreiheit endet nicht beim Kindeswohl

Religionsfreiheit ist ein hohes Gut.

Aber sie gilt im Rahmen der geltenden Gesetze –
und diese stellen das Kindeswohl über alles.

Kein Achtjähriger kann die gesundheitlichen und sozialen Konsequenzen eines solchen Verzichts realistisch einschätzen.

Wenn Kinder kollabieren.
Wenn Unterricht leidet.
Wenn sozialer Druck entsteht.

Dann ist das keine Frage der Sensibilität.

Dann ist es eine Frage staatlicher Verantwortung.


Integration heißt nicht Anpassung aller

Eine offene Gesellschaft muss aushalten, dass Menschen fasten.

Aber sie muss genauso aushalten, dass andere essen.

Integration bedeutet nicht, dass religiöse Praktiken stillschweigend zur sozialen Leitnorm werden.

Und schon gar nicht, dass Kinder – egal welcher Herkunft – auf Grundbedürfnisse verzichten, um nicht aufzufallen.

Wenn ein deutsches Kind sein Pausenbrot versteckt, weil es Angst vor Ausgrenzung hat, dann läuft etwas schief.


Die Debatte, die geführt werden muss

Diese Diskussion braucht keine Hysterie.

Aber sie braucht Ehrlichkeit.

Kein Kind darf aus religiösem Gruppendruck heraus fasten müssen.

Kein Kind darf sozial sanktioniert werden, weil es isst.

Und kein Lehrer darf Essverhalten regulieren, um religiöse Empfindlichkeiten zu schützen.

Neutralität heißt:

Glauben darf jeder.
Mitmachen muss niemand.
Verzichten schon gar nicht.


Fazit: Eine rote Linie

Wenn Grundschüler gesundheitlich leiden,
wenn Unterricht faktisch beeinträchtigt wird,
wenn nicht-muslimische Kinder ihr Frühstück verstecken,

dann ist eine Grenze erreicht.

Kinderschutz ist nicht verhandelbar.

Religionsfreiheit endet dort, wo sozialer Druck auf Minderjährige beginnt.

Diese Debatte gehört geführt.

Offen.
Sachlich.
Ohne Wegsehen.


Lesetipps

Hamed Abdel-Samad – „Integration: Ein Protokoll des Scheiterns“
Ahmad Mansour – „Generation Allah“

Beide Autoren setzen sich kritisch mit Integrationsfragen, religiöser Sozialisation und gesellschaftlichen Konfliktlinien auseinander.


Wenn du findest, dass dieses Thema offen diskutiert werden muss:

Teile diesen Beitrag.
Diskutiere mit.
Und folge marlas.army für klare Worte ohne Ausweichmanöver.

In Marla We Trust.

Shirts & Stickers


📚 Weiterdenken – Partnerlinks

(Affiliate-Hinweis: Die folgenden Links sind Partnerlinks. Wenn du über sie einkaufst, unterstützt du Marlas.Army, ohne dass dir Mehrkosten entstehen.)

1. Hannah Arendt – Macht und Gewalt
Analyse der Mechanismen politischer Kontrolle und öffentlicher Angst.
👉 https://amzn.to/3NDc0c8

2. George Orwell – 1984
Der Klassiker über Sprachkontrolle, Wahrheit und Überwachung.
👉 https://amzn.to/4bsO0SZ

3. Timothy Snyder – Über Tyrannei
20 Lektionen darüber, wie Demokratien sterben.
👉 https://amzn.to/3NcdiuI

Marla Svenja Liebich ist Autorin und Herausgeberin von Marlas Army.
Auf Marlas Army veröffentlicht sie Analysen, Kommentare und persönliche Berichte zu gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen in Deutschland.
Teilen: X · Telegram · WhatsApp · Facebook

Kommentar verfassen