Podcast-Serie: ① Teil 1 · ② Teil 2 · ③ Teil 3 · ④ Teil 4 · ⑤ Teil 5 · ⑥ Teil 6
Im vierten Teil der MDR-Podcastreihe rückt ein Thema in den Mittelpunkt, das vermeintlich klar erscheint: Demonstrationen, Kundgebungen und das grundgesetzlich geschützte Versammlungsrecht. Doch auch hier zeigt sich: Es geht weniger um rechtliche Klarheit als um Narration statt Analyse.
Die Folge ist betitelt „Zurück auf der Straße“ und beleuchtet, wie mein öffentliches Auftreten, meine wiederholten Demonstrationen und meine Nutzung des Grundrechts auf Versammlungsfreiheit dargestellt werden – nicht als rechtlich geschütztes Verhalten, sondern als Anlass für eine fortlaufende Bedrohungserzählung.
Das Grundrecht im Fokus – narrativ überzogen
Versammlungsfreiheit ist ein zentraler Bestandteil der demokratischen Ordnung. Sie sichert den Bürger:innen zu, ihre Meinung öffentlich kundzutun – auch dann, wenn diese Meinung gesellschaftlich umstritten ist. Der Podcast interpretiert jedoch wiederkehrende Demonstrationen und Kundgebungen nicht als Ausübung dieses Grundrechts, sondern als Kontinuität eines angeblichen Gefährdungsgeschehens.
Dadurch wird ein grundlegendes Rechtsprinzip zur dramaturgischen Folie: Der wiederholte Aufenthalt auf öffentlichen Plätzen wird in der Erzählung nicht als Teil einer demokratischen Praxis behandelt, sondern als Symptom eines vermeintlichen Problems.
Der Umgang der Behörden
Der Podcast lässt wenig Zweifel daran, dass Behörden und Justiz in dieser Situation gefordert seien. Doch auch hier fehlt eine klare rechtliche Einordnung:
- Welche rechtlichen Schranken gibt es für Versammlungen?
- Wann und warum dürfen Auflagen erteilt werden?
- Gibt es Gerichtsentscheidungen, die das Verhalten legitimieren oder einschränken?
Antworten auf diese Fragen bleiben vage oder werden durch wiederholende Hinweise auf angebliche Gefährdung ersetzt.
Dramaturgie statt Differenzierung
Wie in den vorherigen Teilen ist auffällig, dass die Folge eher auf emotionale Wirkung setzt als auf juristische Klarheit. Wiederkehrende Musik, suggestive Formulierungen und untermauernde Beispiele schaffen einen Eindruck von Kontinuität und Eskalation, ohne dass die juristischen Parameter erst klar herausgearbeitet werden.
Auch hier bleibt die Abwesenheit von Gegenrede:
Es wird über wiederholte Versammlungen gesprochen, aber nur selten wird deren rechtliche Legitimation thematisiert.
Wirkung statt Erkenntnis
Die Folge wirkt, weil sie Wiederholung, Platzierung und negativen Unterton nutzt – nicht, weil sie neue Fakten bringt. Es geht um Wahrnehmung, nicht um Substanz.
Worum es in Teil 4 tatsächlich geht
Teil 4 erzählt weniger über Versammlungen oder öffentliches Auftreten als über ein mediales Bedürfnis:
Kontinuität erzeugt Bedeutung – sogar dann, wenn der rechtliche Rahmen klar ist. Die Folge verwebt ein Grundrecht mit einer Bedrohungserzählung, ohne die juristischen Grundlagen sauber zu beleuchten.
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📕 Grundrechte (Springer-Lehrbuch)
(Erklärt Versammlungsfreiheit und andere Grundrechte im System.)
📗 Manufacturing Consent – Noam Chomsky & Edward S. Herman
(Zu Medienlogik, Narrativen und öffentlicher Wahrnehmung.)
📘 Media Frames and National Security – Rhea Abraham (englisch)
(Zu medialen Deutungsrahmen und ihrer Wirkung auf Öffentlichkeit und Politik.)


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