Epstein, Geheimdienste und die Macht der Fixer

Warum die Akten weniger über Spione erzählen – und mehr über das System dahinter

Jeffrey Epstein wird meist auf ein Wort reduziert:
Sexualstraftäter.

Das ist richtig.
Aber es ist unvollständig.

Denn wer sich ernsthaft durch die veröffentlichten Epstein-Akten arbeitet, merkt schnell:
Hier geht es nicht nur um Verbrechen.
Hier geht es um Macht.
Um Netzwerke.
Und um die Rolle von Menschen, die zwischen Staaten, Eliten und Institutionen agieren – ohne offizielles Mandat, aber mit maximalem Einfluss.

Die Akten liefern keine endgültigen Beweise.
Sie liefern Muster.
Und diese Muster sind politisch brisant.

Zu dieser Analyse wurde zusätzlich ein separates Videostatement veröffentlicht, in dem zentrale Aspekte der Aktenlage und der strukturellen Machtfragen zusammenfassend eingeordnet werden.


Russland oder Israel? Die falsche Frage

Die öffentliche Debatte kreist obsessiv um eine Frage:
Für wen arbeitete Epstein?

Für Russland?
Für Israel?
Für den Mossad, den FSB oder den MI6?

Diese Frage ist verständlich – aber sie greift zu kurz.

Denn sie setzt voraus, dass Epstein ein klassischer Agent war.
Ein Angestellter.
Ein Befehlsempfänger.

Genau das zeigen die Akten nicht.

Was sie zeigen, ist etwas anderes:
Epstein war ein Knotenpunkt.

Ein Mann, der Zugang hatte.
Zu Politikern.
Zu Milliardären.
Zu Militärs.
Zu Geheimdienstkreisen.

Und genau das macht ihn gefährlich.


Die Nähe zur israelischen Machtelite

Unbestreitbar ist:
Epstein pflegte enge Kontakte nach Israel.

Besonders auffällig ist die Beziehung zum ehemaligen israelischen Premierminister Ehud Barak.
Über tausend E-Mails.
Ein vertrauter Ton.
Keine distanzierte Höflichkeit, sondern persönliche Nähe.

Noch 2019 – kurz vor Epsteins erneuter Verhaftung – schrieb Barak von Verbundenheit.

Hinzu kommt die geschäftliche Ebene:
Beide investierten Millionen in das israelische Tech-Startup Carbyne, ein Unternehmen im Bereich Notfall- und Sicherheitskommunikation.

Carbyne ist deshalb relevant, weil dort auffällig viele ehemalige israelische Geheimdienstler tätig waren – als Gründer, Entwickler oder Berater.

Ist das ein Beweis für eine Mossad-Steuerung Epsteins?
Nein.

Aber es zeigt, wie nah Epstein an sicherheitsrelevanten Strukturen operierte.


FBI-Akten, Quellen – und das Problem der Beweislast

Ein interner FBI-Bericht aus dem Jahr 2020 sorgte für zusätzliche Spekulationen.
Darin behauptet eine „vertrauliche menschliche Quelle“, Epstein sei unter Barak zum Spion ausgebildet worden und vom Mossad kooptiert worden.

Wichtig ist dabei eines:
Das FBI bestätigt diese Behauptung nicht.

Es handelt sich um die Einschätzung einer einzelnen Quelle.
Ihre Glaubwürdigkeit bleibt offen.

Aber auch das ist aufschlussreich:
Solche Behauptungen tauchen nicht zufällig in FBI-Akten auf.
Sie spiegeln wider, wie Epstein innerhalb von Sicherheitskreisen wahrgenommen wurde.

Als jemand, der mehr war als nur ein reicher Exzentriker.


Robert Maxwell: Ein früher Schatten

Der Fall wird noch komplexer, wenn man auf Robert Maxwell blickt.
Medienmogul.
Vater von Ghislaine Maxwell.
Und laut dem Investigativjournalisten Seymour Hersh ein Mann mit Mossad-Verbindungen.

Hersh veröffentlichte diese Behauptung bereits in den 1990er-Jahren.
Maxwell klagte – und verlor.

Jahrzehnte später schreibt Epstein selbst in einer E-Mail, Robert Maxwell habe den Mossad erpresst:
400 Millionen Pfund oder er würde alles öffentlich machen.

Beweise dafür existieren nicht.

Aber Maxwells Tod bleibt auffällig:
1991 verschwindet er von seiner Yacht.
Wird nackt im Meer gefunden.
Offizielle Todesursache: Herzinfarkt mit anschließendem Ertrinken.

Drei Gerichtsmediziner, keine Einigkeit.

Und dann die Beerdigung:
In Jerusalem.
Anwesend ein Who’s Who der israelischen Politik- und Geheimdienstelite.

Auch hier gilt:
Kein Beweis.
Aber viele Fragen.


Epstein als Backchannel: Diplomatie im Schatten

Eines lässt sich jedoch klar belegen:
Epstein fungierte mehrfach als inoffizieller Vermittler.

Die Akten enthalten Hinweise darauf, dass er als sogenannter Backchannel bei sicherheitsrelevanten Abkommen zwischen Israel und anderen Staaten diente – unter anderem mit der Mongolei und der Elfenbeinküste.

Solche Backchannels sind kein Randphänomen.
Sie sind ein fester Bestandteil internationaler Machtpolitik.

Und sie erklären, warum jemand wie Epstein interessant war:
Er war kein Diplomat.
Kein Beamter.
Kein Politiker.

Er war flexibel.
Diskret.
Nicht rechenschaftspflichtig.


Die Russland-Verbindungen: Mehr als nur Gerüchte

Auch Epsteins Russlandkontakte sind real – und umfangreich.

Mehrere Reisen.
Mindestens neun Visa.
Treffen mit russischen Diplomaten mit eindeutigem Geheimdienstbezug.

Besonders brisant ist ein Visaantrag, in dem als Reisezweck der Besuch einer Veteranenorganisation der FSB-Eliteeinheit Wympel angegeben wird.

Wympel ist eine Spezialeinheit mit langer Geheimdiensttradition.
Später taucht sie auch im Zusammenhang mit dem Tiergarten-Mord in Berlin auf.

Hinzu kommen E-Mails, die auf geplante Treffen mit Wladimir Putin hindeuten.
Ob diese Treffen tatsächlich stattfanden, bleibt offen.

Aber sie wurden vorbereitet.
Das allein ist bemerkenswert.


Kein Agent – sondern etwas Wirksameres

Am Ende bleibt eine unbequeme Erkenntnis:

Es gibt keinen belastbaren Beweis dafür,
dass Epstein Agent eines bestimmten Geheimdienstes war.

Und es gibt auch keinen Beweis,
dass er systematisch Kompromat sammelte oder klassische Honigfallen betrieb.

Aber genau das ist nicht der entscheidende Punkt.

Denn Epstein musste kein Agent sein.

Agenten sind ersetzbar.
Fixer nicht.

Fixer verbinden Welten, die offiziell getrennt bleiben müssen.
Sie schaffen Zugänge.
Sie regeln Dinge im Schatten.
Sie machen das System beweglich.

Jeffrey Epstein war genau so ein Fixer.

Und deshalb interessierten sich Geheimdienste für ihn.
Und deshalb profitierten sie von ihm.

Nicht, weil er einer von ihnen war.
Sondern weil er für alle nützlich war.


Fazit: Der Skandal hinter dem Skandal

Der eigentliche Skandal im Fall Epstein ist nicht nur sein persönliches Verbrechen.
Der eigentliche Skandal ist das System, das solche Figuren ermöglicht.

Ein System,
in dem Macht lieber informell operiert als transparent.
In dem Fixer wertvoller sind als Mandatsträger.
Und in dem Grauzonen kein Unfall sind – sondern Methode.

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Marla Svenja Liebich ist Autorin und Herausgeberin von Marlas Army.
Auf Marlas Army veröffentlicht sie Analysen, Kommentare und persönliche Berichte zu gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen in Deutschland.
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