AfD-Parteitag in Erfurt: Wenn der Kalender plötzlich zum Skandal wird

Person mit Hut und Sonnenbrille vor Deutschland-Flaggen, Schlagzeile „100 Jahre AfD?“ zum Parteitag in Erfurt

Die AfD plant ihren Bundesparteitag am 3. und 4. Juli in Erfurt.

Ein normaler demokratischer Vorgang.
Eine Partei organisiert sich.
Delegierte kommen zusammen.
Programme werden diskutiert.

Doch statt einer politischen Debatte erleben wir eine moralische Empörungswelle.

Der Vorwurf: Vor 100 Jahren habe die NSDAP in Thüringen – damals in Weimar – einen Parteitag abgehalten. Ort und zeitliche Nähe würden „fatale Assoziationen“ wecken.

Ernsthaft?

Ein ergänzendes Videostatement zum AfD-Bundesparteitag in Erfurt wurde gesondert veröffentlicht und ordnet die öffentliche Debatte um historische Bezüge und politische Assoziationen dokumentierend ein.

Die Konstruktion eines Skandals

Die Argumentationskette ist dünn:

– Thüringen
– 100 Jahre Abstand
– Ein Parteitag

Daraus wird eine bewusste Provokation konstruiert.

Doch Deutschland ist historisch durchdrungen. Zwischen Kaiserreich, Weimarer Republik, Nationalsozialismus und Bundesrepublik fand nahezu an jedem Datum irgendein politisches Ereignis statt. Wer lange genug sucht, findet immer eine Parallele.

Soll künftig jede Partei vor Terminplanung prüfen, ob irgendwann in der Geschichte ein belastetes Ereignis stattfand?

Wenn das die neue Messlatte ist, wird politische Organisation unmöglich.

„Assoziationen“ als politisches Werkzeug

Auffällig ist die Sprache der Kritiker. Immer wieder fällt das Wort „Assoziationen“. Es geht nicht um konkrete Beschlüsse. Nicht um Programmatik. Nicht um Aussagen.

Es geht um Gefühle.

Politik auf Basis von Assoziationen ersetzt Argumente durch Andeutungen. Sie arbeitet mit moralischer Aufladung statt mit Analyse.

Das Problem:
Wer permanent historische Schatten bemüht, stumpft den Diskurs ab. Die Geschichte wird zur Dauerkeule – und verliert dadurch an Ernsthaftigkeit.

Die eigentliche Frage

Warum wird aus einem Parteitag ein Symbolskandal?

Vielleicht, weil inhaltliche Auseinandersetzung schwieriger ist als moralische Empörung. Vielleicht, weil man glaubt, mit historischen Bezügen Zustimmung zu mobilisieren.

Doch Demokratie funktioniert anders.

Parteien organisieren sich.
Wähler entscheiden.
Regierungen werden gewählt oder abgewählt.

Nicht Historiker.
Nicht moralische Assoziationen.
Nicht symbolische Deutungen.

Fazit: Der Zustand des Diskurses

Die Debatte um Erfurt ist ein Symptom.

Statt über Inhalte zu sprechen, diskutieren wir über Kalenderdaten. Statt Programme zu analysieren, interpretieren wir Symbolik.

Geschichte darf nicht relativiert werden.
Aber sie darf auch nicht als reflexhafte Waffe missbraucht werden.

Am Ende zählt nicht, wer welches Datum wählt.
Sondern wer die besseren Argumente hat.

Und darüber entscheidet keine Assoziation.

Sondern der Bürger.




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Diskutiere sachlich.
Und lass uns zurückkommen zu echter politischer Debatte.

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Marla Svenja Liebich ist Autorin und Herausgeberin von Marlas Army.
Auf Marlas Army veröffentlicht sie Analysen, Kommentare und persönliche Berichte zu gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen in Deutschland.
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